Full text: Die literargeschichtlichen Kenntnisse und Urteile des Jean-Louis Guez de Balzac

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a) In den Briefen an Chapelain, B.’s intimsten Freund, 
in welchen er sich bei weitem aufrichtiger und zurück 
haltender mit seinem Prunken großer Gelehrsamkeit 
zeigt als in den anderen, mehr an das große Publikum 
gerichteten Briefen, deutet B. selbst gelegentlich auf 
seine geringen Kenntnisse der griechischen Sprache hin: 
1) a I 745 (1637), wo die betreffende Stelle lautet: „si 
je s^avois autant de Langues qu’un de nos Amis dit 
qu’il en s<jait, et qu’on dit que Scaliger en s^avoit, je 
ne me contenterois pas de vous louer en Latin et en 
Fran^ais“, und 2) a I 772 (1638), wo es heißt: „Je ne 
suis pas si Grec ä Florence, que je puisse voir distinc- 
tement l’Atticisme d’Annibal Caro“, 
h) Ein weiterer Grund, welcher für obige Behauptung spricht, 
ist derjenige, daß er in einem Briefe an Chapelain 
(7. September 1643, b 408) den Gelehrten Menage um 
Revision der in seinem neu erscheinenden Werke — 
ffiuvres diverses, 1644 — vorhandenen griechischen 
Citate bittet, weil zweifelsohne, wie B. sich ausdrückt, 
eine große Anzahl Fehler zu korrigieren sein würden, 
welche, wie er somit andeutet, zu verbessern er selbst 
nicht die Fähigkeit besäße 131 ). 
Nachdem wir im vorstehenden die Frage, ob B. 
tiefere Kenntnisse im Griechischen besessen habe, haben ver 
neinen müssen, wollen wir noch kurz erwähnen, daß B. 
auch keine besondere Vorliebe für die griechische Sprache 
gehegt zu haben scheint, denn wie gering ist die Zahl der 
französischen Wörter, die er aus dem Griechischen entlehnt 
hat, besonders wenn man in Betracht zieht, in welchem 
Umfange er nach lateinischen Wörtern neue französische 
geformt hat 132 ). 
Aus obigem ergibt sich nun, daß B. eine auf eigner 
Lektüre der griechischen Originale beruhende Kenntnis nicht 
besessen haben kann. Was er darüber wußte, wußte er eben 
nur aus den Notizen und Citaten hei den lateinischen Autoren 
und aus den immerhin schon zahlreichen lateinischen und 
französischen Übersetzungen der griechischen Klassiker.
	        

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