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eine wirkliche Lesefertigkeit nur vereinzelte Gelehrte besaßen.
Wie verhält es sich nun bei Balzac? I)a wir ein Zeugnis
von einem Zeitgenossen über seine Kenntnis der griechischen
Sprache nicht besitzen — außer dem seines erbitterten Gegners
Goulu 139 ) — so müssen wir uns auf B.’s Bemerkungen
hierüber allein berufen, und auf Grund seiner Schriften werden
wir auch zu einem ziemlich sichern Urteil gelangen können.
Es geht nämlich aus den immerhin zahlreichen griechischen
Citaten und sonstigen Bemerkungen mit ziemlicher Bestimmt
heit hervor, daß B. einige Kenntnisse der griechischen
Sprache sich angeeignet haben muß. Wann und wie er sich
diese erworben hat, ist nur in sehr beschränktem Umfange
erkennbar. Einige Aufklärung gibt uns ein Brief B.’s an
Chapelain vom 23. Okt. 1644 (b 583), in welchem er sich
in der griechischen Sprache als einen Schüler Bourbons, eines
Professors der griechischen Sprache in Paris, bezeichnet; es
ist dies derselbe Lehrer, welchem er, wie er sich a II 368
(im September 1643) äußert, es allein zu verdanken habe,
zu einem vollen Verständnis der lateinischen Sprache gelangt
zu sein, bevor er das Alter von 18 Jahren erreicht hätte.
Es fällt also seine erste Bekanntschaft mit diesem Gelehrten
in die Zeit seines ersten Pariser Aufenthalts. Die Wahr
scheinlichkeit, daß B. schon in jener Zeit bereits die
ersten Grundlagen zu seinen griechischen Sprachkenntnissen
gelegt hat, ist zu naheliegend, als daß wir sie ohne weiteres
von der Hand weisen könnten. Aber bei diesen Anfängen
ist es sicher auch geblieben, über eine recht mittelmäßige
Kenntnis des Griechischen — gerade so viel, daß er einen
griechischen Text mit Hülfe einer lateinischen Übersetzung
mühsam wird entziffert haben können — ist B. nicht
hinausgekommen, und so sehr er sich auch bemüht, den
Anschein beim größeren Publikum zu erwecken, als ob er
wirklich tiefere Kenntnisse im Griechischen besessen habe,
und mit seinem Wissen zu prunken, 13 °) so bin ich doch zu
der Überzeugung gekommen, daß B. das Griechische tat
sächlich nur wenig beherrscht hat, zu einer wirklichen Lese
fertigkeit nicht gelangt ist, und zwar infolge folgender
Momente:

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