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mit großem Nachdruck betont hat, daß man auf ein selb
ständiges Urteil durchaus nicht verzichten dürfe und den
Alten nicht blindlings und nach jeder Richtung hin nachfolgen
solle. 126 ) Indessen ein liebevolles Hineinversenken in das
Studium der Alten finden wir bei ihm nicht, ihm ist es
mehr darum zu tun gewesen, sich dem Publikum gegenüber
den Schein großer Gelehrsamkeit zu geben, indem er mit
griechischen und lateinischen Citaten um sich wirft, als in Un
verständnis einzudringen, ihr innerliches Wesen zu erforschen;
sie sind ihm stets, jahraus, jahrein dieselben gewesen und
geblieben, eine tote, leblose Masse, aus der, wie R. sagt,
kein neues Leben hervorsprieße, die stets dasselbe sage. m )
Und doch, so widersprechend nun auch seine gelegentlichen,
geringschätzigen Äußerungen über die Alten mit der von ihm
zur Schau getragenen, begeisterten Verehrung des Altertums
im allgemeinen sein mögen, sie sind einfach aus seinen ewigen
Lamentationen über sein einsames Leben zu erklären; sie
zeigen uns aber doch zur Genüge, daß er keine wirkliche
innere Begeisterung für die Alten besessen hat. Diesem
Umstand ist es auch zuzuschreiben, daß B. seine Freunde,
vor allem Chapelain und Conrart, den Alten als ebenbürtig
an die Stelle zu stellen, ja ihnen aus reiner Lobhudelei sogar
den Vorzug zu geben sich erkühnte, während jene doch
durchaus nicht etwas Bedeutendes, der Begeisterung Würdiges
geschaffen haben. Daß seine Verehrung der Klassiker im
allgemeinen vor allem dem glänzenden Stil derselben gegolten
bat, daß er aber daneben doch auch, zum Teil wenigstens,
ihrem Inhalt nicht ganz unzugänglich gewesen ist, das wird
sich durch die folgende Untersuchung erweisen.
Wir wenden uns zunächst B.’s Kenntnis der griechi
schen Literatur und seinen Urteilen über dieselbe zu. Die
erste Frage, welche wir hierbei zu erörtern haben, ist
diejenige, ob und wieweit B. mit der griechischen Sprache
bekannt gewesen sein mag. Wenn die Erlernung derselben
den Gebildeten im Beginn des 17. Jahrhunderts auch schon
bedeutend weniger Schwierigkeiten bereitete als im 16. Jahr
hundert, so steht doch fest, daß sie verhältnismäßig immer
noch in sehr geringem Umfange betrieben wurde, so daß
1s

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