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war, ein behagliches, sorgenfreies Leben, von welchem er uns
in einem Brief an La Valette vom 15. Juli 162 1 56 ) eine aus
führliche Schilderung gibt. Aber auch die Glaubwürdigkeit
dieses Briefes muß angefochten werden, denn er scheint nicht
nur viel überflüssiges Gerede, sondern auch manche Über
treibungen und Erfindungen zu enthalten. Von Rom aus
unterhielt B. mit seinen Gönnern und Freunden, von denen
mancher eine hohe Stellung am französischen Hofe einnahm,
einen eifrigen Briefwechsel. Diese Briefe, in welchen er mit
seinem Geist und seinem Wissen und ebenso seiner stilistischen
Kunst zu prunken beabsichtigte, und welche zuerst nur hand
schriftlich umliefen, verschafften ihm zahlreiche Bewunderer.
So wurde er schon ein berühmter Mann, ehe noch seine
stilistischen Kunstwerke weiteren Kreisen zugänglich wurden.
Als nun aber die Briefe vollends im Druck erschienen (im
Jahre 1624), riefen sie eine wahre Aufregung in der schön
geistigen Welt hervor. Viele priesen ihn als den ersten
Meister der französischen Prosa. Indessen sollte ihm dieser
Ruhm doch nicht ganz unangefochten bleiben, denn bald er
hoben sich neidische Anfechtungen gegen ihn von Seiten
übelwollender, mißgestimmter Literaten, welche ihm die leicht
und rasch erworbene Ehrenstellung nicht gönnten. Ein junger
Mönch aus dem Kloster S. Mesmin der Feuillantiner, Dom
Andre de Saint-Denis, 57 ) vielleicht angeregt durch seinen
Ordensgeneral Goulu, 58 ) gab das Zeichen zum Angriff, indem
er eine Schrift, betitelt „Sur la Conformite de l’Eloquence
de M. de Balzac avec celle des plus grands personnages du
temps passe et du present“ (all 2 159—171) veröffentlichte,
in welcher er B. anklagt, sich zahlreicher Plagiate an den
Schriftstellern des Altertums schuldig gemacht zu haben.
Diese Anklage wurde mit lautem Beifall von allen denen
aufgenommen, die sich ärgerten, daß der junge B. sich eine
Art literarischen Königtums zu begründen im Begriff war.
Im juristischen Sinne war die Anklage nicht begründet, denn
wenn B. auch manche Anregung aus den Alten geschöpft
und manche schöne Gedanken ihnen entlehnt hat, so hat er
sie doch durch eigenartiges Denken verarbeitet und ihnen
eine originelle französische Form verliehen. Wirkliche Plagiate

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