Full text: Die literargeschichtlichen Kenntnisse und Urteile des Jean-Louis Guez de Balzac

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besaß er einen jüngeren Bruder, Francois Guez, 27 ) und 
eine Schwester, die sich mit einem Mr. de Campagnolle 
verheiratete. 28 ) 
Nähere Angaben über seine Kindheit und Jugendzeit 
macht B. selbst nicht; was wir über diese Zeit wissen, 
erfahren wir z. T. aus gelegentlichen Äußerungen in seinen 
Schriften, z. T. aus Briefen einiger Männer, welche mit ihm 
in näherer Beziehung standen, wie z. B. Garasse 29 ) und 
Theophile de Viau; 30 ) die Berichte der letzteren über B. 
sind aber mit Vorsicht aufzunehmen, weil bei ihren aus einem 
früheren Freundschaftsverhältnis zu bitterer Feindschaft um 
gewandelten Beziehungen zueinander 31 ) wohl wissentlich 
falsche Angaben gemacht worden sein können. Ein vollständig 
klares und ausführliches Bild der Jugend B.’s zu geben, ist 
daher nicht möglich, vor allem, da sich auch bei diesen 
Männern nur wenig Anhaltspunkte finden, doch genügen 
diese immerhin, um eine einigermaßen klare Vorstellung 
seiner Jugendzeit zu gewinnen. 
Den ersten Unterricht erhielt B. durch Jesuiten, welche 
ihn in Ehrfurcht vor der Religion, vor allem Heiligen 
erzogen, wie er in seinen „Passages deffendus“ versichert 
(a II 357). Im Jahre 1609 ungefähr wurde der aus einer 
angesehenen Familie in Angouleme stammende Jesuitenpater 
Frangois Garasse sein Lehrer, welcher ihn hauptsächlich 
in der Rhetorik unterwies, während Logik, Philosophie, 
Theologie unbeachtet blieben. 32 ) Im Jahre 1610 alsdann 
ging B. nach Paris, wo er wahrscheinlich sofort mit Theophile j 
de Viau Freundschaft geschlossen zu haben scheint. 33 ) Aus 
den Briefen des letzteren geht nun mit ziemlicher Bestimmt 
heit hervor, daß sie beide dort im Kreise der Jeunesse doröe, 
im Kreise von adligen .7 unkern und reichen Bürgersöhnen ")> 
verkehrt und das Leben reichlich genossen haben. Was die 
►Studien B.’s anbetrifft, so hat er im Anfang seines Pariser 
Aufenthalts bei L. Crassot, einem alten, ehrwürdigen Lehrer 
des College de la Sainte-Barbare, allerlei dialektische Spitz 
findigkeiten erlernt. 34 ) Doch nicht lange besuchte er diese 
Schule, kaum ein Jahr, denn der Abt Michael de Marolles, 
welcher einige Zeit nachher als Schüler an dieser Anstalt
	        
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