Full text: Die literargeschichtlichen Kenntnisse und Urteile des Jean-Louis Guez de Balzac

Vorbemerkung. 
Das 17. Jahrhundert hat den Ruhm, die neufranzösische 
Prosa geschaffen zu haben. Es ist diese Tat das Werk einer 
Reihe von bedeutenden Männern, unter -welchen Descartes 
und Pascal als die gedankenreichsten besonders hervor 
zuheben sind. Aber manch anderer noch darf auf den 
Ruhm Anspruch machen, zur Ausbildung der französischen 
Prosa beigetragen zu haben; neben einem de Sales, Voiture ; 
La Bruyöre, La Rochefoucauld muß auch Jean-Louis 
Guez de Balzac genannt werden. Balzac, welcher die 
Mangelhaftigkeit des bisherigen Prosastils erkannte und oft 
genug rügte, 1 ) wandte hauptsächlich der Form der Rede 
besondere Sorgfalt zu, 2 ) ohne freilich darüber absichtlich den 
Inhalt zu vernachlässigen. Dieses sein Bemühen um die 
Form erweckte volle Begeisterung bei seinen Zeitgenossen, 
selbst Malherbe, Descartes, Corneille ließen ihm ihre 
Anerkennung zuteil werden. 3 ) Die Bewunderung, welche man 
für ihn hegte, glich einer Huldigung, die man einem höheren 
Wesen entgegenbringt, und er trug auch Sorge dafür, sich 
diese fast religiöse Verehrung seines stilistischen Künstler 
tums durch wohl einstudierte gemessene und würdevolle 
Zurückgezogenheit fernab von Paris zu bewahren; aus der 
Tiefe seiner Einsiedelei — aus dem Schlosse Balzac 4 ) —- 
kommend, erschien jedes seiner Werke, ja jeder seiner Briefe 
als das Orakel eines Gottes, welcher in seinem Heiligtum 
verborgen weilt. 5 ) Freilich fehlte es ihm auch nicht an 
Neidern und Gegnern, welche seinen Ruhm und sein Ansehen 
zu schmälern suchten, indem sie ihn des Plagiats an den Alten 
beschuldigten 6 ) und den geringen inneren Gehalt seiner Rede 
fädelten. Zweifellos hat Balzac sich mehr mit der Form als 
mit dem Inhalt befaßt, doch sind darum keineswegs die 
Gedanken in seinen Schriften als belang- und bedeutungslos 
für die damalige Zeit zu erachten. Seine politischen Ideen
	        
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