Full text: Über die englischen Marienklagen

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Wie gesagt, ist der Dialog zwischen Maria und Magdalena 
in das „Testamentum Christi“ («*) übernommen, aber nur in eine, 
die längste der drei stark von einander differierenden Fassungen, 
die der Herausgeber Horstmann abdruckt. Die genannte längste 
Version (aus Ms. Reg. 17 C XVII), ebenso wie die zweitlängste 
(des Harleian Ms.) aus der kürzesten (des Vernon Ms.) entwickelt, 
ist die einzige der Versionen, die eine Mkl. enthält. Wenn Horst 
mann Archiv LXXIX, 470 behauptet, das „Testament“ sei mit 
dem Cursor Mundi (17111—270) verwandt, so ist diese Ansicht 
unbeweisbar; solche Apostrophen Christi an die Menschheit, Im- 
properien, giebt es zu Dutzenden (cf. Heuser: Kildare-Gedichte 
S. 125 ff; Dreves XV, 23; XXI, 10—13 u. a. m.). 
Der Gedanke, daß Christus am Kreuz sein Testament machte, 
ist alt und verbreitet. Im Cap. LIII der Legenda aurea wird aus 
Ambrosius citiert: In cruce pendens persecutionem apostolis, pacem 
discipulis, corpus Judaeis, crucifixoribus vestimenta, patri spiritum, 
virgini paranymphum, latroni paradisum, peccatoribus infernum, 
crucem christianis poenitentibus commendabat. Ecce testamentum 
quod fecit Christus in morte pendens in cruce. (Vgl. auch Am- 
brosii opp. ed. Migne ser. lat. XV col. 1837 seqq. Expos. Ev. 
sec. Luc. lib. X. 131 und d’Ancona: Origini del teatro italiano 
IA32 ff Anm. Erwähnt wird die „Charta Christi“ EETS. OS. 46 
S. 210 (Festivals of the Church) V. 184; Reliquiae antiquae ed. 
Wright-Halliwell II, 227. Hier wie in me. F 15 und unserm 
Testament (Ms. V 51 ff.) ist der Vergleich Christi mit der Ur 
kunde dürchgefführt.) 
Unser Gedicht stammt nach Brandl (S. 640) aus dem süd 
östlichen Mittelland und entstand vor Mitte des 14. Jh. Die 
Fassung des Ms. Reg. 17 C XVII ist wohl nicht viel jünger, aber 
weiter nördlich zu setzen. Die in ihr enthaltene Mkl. umfaßt mit 
Unterbrechungen die Verse 379—434. Mit V. 342 beginnt die 
Schilderung der Cömpassio Mariae durch Jesus; er trägt das 
ganze „Testamentum“, auch die Mkl. vor. Die Kunst des Dichters 
macht es uns -vergessen, däß Maria sie nicht selbst spricht. Sie 
iät Zum größten Teil Dialog zwischen Maria und Magdalena, der 
erwähnte Dialog, den u aus Z entnahm, und zwar aus der Fassung 
des Vernon Ms. oder einer ganz ähnlichen. Ich stelle zum Ver 
gleich die betr. Passus aus u und Z zusammen.
	        
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