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Der Schluß dieser umfangreichen Klage bringt nur Wiederholungen
aus dem früher Gesagten. —
Eine erneute Bitte des Johannes und Nicodemus, ihnen den
Leichnam zum Begräbnis zu überlassen, begegnet neuen Klagen,
wie sie der Dichter ebenfalls im B.-Tr. fand :
802) Swete frendes! suffer me mor respit to haue!
Haue compassion of me, frendes, I 3011 praye !
So hastely, fro me tak hym not a-waye!
Yf to his sepulcre nedes ye will hym bere,
6) Bery me, his moder, with myn awn son here!
8) Now sithen he is ded, all my Joye is expirid;
There-for lay the moder in grave with the child! . . .
14) Alias! shall I not kep hym nothire whik ne ded? . . .
16) Yit, Josephe, agayn the cloth ye unfold,
that his graciose visage I may ons behold . .!
802 ff.) B.-Tr. 276 ff.: Miseremini mei, ... amici mei! Illum adhuc
paululum mihi relinquite, ut faciem illius sublato velamine valeam
contemplari . . . ! Nolite eum, quaeso, tarn cito tradere sepul-
turae, sed ipsum reddite mihi. ., ut illum mecum habeam
saltem vel defunctum (cf. 814!); aut si illum in sepulchro
reconditis, ibidem me miseram matrem cum ipso sepelite,
quia male post ipsum superero! Ad quid post ipsum vivam ?
So nimmt Maria endlich Abschied von ihrem Sohn und
läßt sich wegführen. — Sie tritt danach nicht wieder auf, doch
wird uns durch einen Bericht des Johannes vor Petrus und Andreas
ihre Compassion noch einmal ins Gedächtnis zurückgerufen
(1373 ff.) und uns ihr Verhalten nach der Grablegung geschildert,
ebenso wie vor ihrem Auftreten Magdalena von ihrem Leid am
Fuß des Kreuzes erzählte — ein außerordentlich glücklicher
Aufbau des Ganzen; stets bleibt uns gegenwärtig, daß Maria der
Mittelpunkt, ihre Klage der Höhepunkt des Stückes sein soll.
Ist es nur Zufall, daß der strophisch gegliederte (cf. Ed.
S. 171 Anm.) große Planctus (612 ff.) zwei Kehrreime aufweist,
die schon in älteren 1 ) Klagen Vorkommen (cf. zu 637 und 746)?
*) B und U sind wahrscheinlich vor T entstanden, vgl. zu B. und U.
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