Full text: Über die englischen Marienklagen

‘) S. 323. 
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Coventry-Text entsprechend: Tu ai parlato a queso latrone et 
a rni meschina non parli niente (S. 75). Auch bei Gerson 
kommt ganz Ähnliches zum Ausdruck, wenn Maria spricht (col. 
1194): O latro . . gaudere debes .. . ; utinam similiter penderem 
ad audienda similia; die Fortsetzung: non abeas . . . absque hoc 
utlo quaris mihi — entspricht genau dem italienischen : Paria ora mai 
ante che mori — und York Plays XXXVI, 263 : O worde wolde I 
witte or f>ou wente (cf. oben zu dieser Stelle). In der Devozione, 
bei Gerson und in unserem Passionsspiel wird mit dieser Bitte 
die Commendatio eingeführt und gewissermaßen motiviert. — Doch 
wird durch sie Maria’s Schmerz nur gesteigert: sie “xal . .renne 
and halse the crosse“ 1 ), sagt die Bühnenanweisung, überein 
stimmend mit der Darstellung des B.-Tr. , von it. LI und anderen 
Texten. “Hang me up here on this tre . . . ffor ther he is, ther 
wold I be“ ruft sie (cf. B.-Tr. 99: Tollite, suspendite matrem cum 
pignore!). — Eine neue Mkl. (S. 325) nach Jesu letztem Wort 
beginnt mit der bekannten Klage: „Ach, daß ich dies erleben 
muß“ (cf. York Plays 135 ff.). Von Johannes mit den herkömmlichen 
Trostworten unterbrochen fährt Maria fort, bisweilen sich wieder 
holend, meist in originellen Wendungen (326): Jesus ist so “alle 
to-rent from top to too“ (cf. Bonaventura 79, wo nach Jes. I, 6 ci- 
tiert wird: a planta pedis usque ad verticem etc. cf. zu F 15), 
daß sie ihn auch beklagen würde, wenn er nicht ihr Sohn wäre. 
Wenn sie auch zugiebt, daß Johannes’ Trostgründe gewichtig seien, 
gegen das Bild vor ihren Augen kommen sie nicht auf. Doch 
läßt sie sich (im Gegensatz zu T!) ruhig von Johannes wegführen, 
nachdem sie gebeten, noch einmal des Sohnes Füße küssen zu 
dürfen. “Thus shamfully was nevyr man dyghte“ (cf. “Thus arayde 
was neuer man before“ Maria im, Complaint of Mary Maudeleine 
(ed. B. Skeat. Züricher Dissertation 1897.) V. 465 f.). — Maria 
läßt sich von Johannes zum Tempel führen (S. 328); hier will 
sie Gott dienen: “xal wepynge me fode and fede“ (cf. Psalm 
XLI, 4 : Fu^runt mihi. lacrymae meae panes). Der Tempel als 
Aufenthaltsort Mariens wird auch sonst erwähnt (Z 61 =«398; 
W 99). Sie verläßt die Scene mit der Bitte zu Gott, sie durch
	        
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