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ebenso Johannes’ Botschaft wie Jesu Begegnung mit den Frauen
zum Teil wörtlich 1 ) in den York und Towneley Plays (XXII) über
einstimmt, so darf man wohl annehmen, daß das, was uns letztere
dazwischen vorführen, insbesondere der Dialog Maria’s mit Jesus,
in der Lücke der York Plays ziemlich genau ebenso stand. —
Die Übereinstimmung beider Cyclen geht, wenn auch nicht
wörtlich, so doch inhaltlich noch weiter, was bisher nicht bemerkt
wurde. Die Kreuzigungsscenen (Y. PI. XXXV; T. PI. XXII)
schließen sich an die von der Mystik beeinflußten Darstellungen
an, speciell an Richard Rolle’s „Tractat“. Da Rolle erst 1349
starb und seine Heimat und sein Hauptwirkungsgebiet York
war, wo die Y. PI. gegen Mitte des 14. Jh. entstanden (nach
Ward: History of the English Dramatic Litterature 1,65 und
der Herausgeberin L. T. Smith Introd. S. XLV), so ist es sehr
wahrscheinlich, daß dieselben seinen Einfluß erfuhren, möglich
sogar, daß ihr Autor den „Tractat“ kannte : finden wir doch in
den Spielen von York, wie sonst nur im Tractat, sämtliche früher
(unter G) hervorgehobenen Details in den Martern und der Kreu
zigung Christi und die angezogenen Bibelcitate (a XXXIV,311—21;
b XXXIII 399—400 (hier wird sogar erzählt, das Hirn sei durch
die Wunden ausgetreten); c XXXV, 73—148; d ibid. 227—28;
e ibid. 161—228; f ibid. 253—58; g XXXVI, 192—95. Das
Vorkommen von e im Tractat und den York-Spielen bemerkte
Holthausen Archiv LXXXVI, 281). Auch hierin scheinen die
Towneley Plays von den York-Plays abhängig zu sein; sie haben
nur a und d ausgelassen, deren Darstellung begreifliche Schwierig
keiten bereitete (b XXII 233 ; die übrigen XXIII: c 113—54;
e 194 — 232; f 233 ff.; g 255—59). Immerhin kommen diese
Züge gruppenweise auch sonst vor, und mit Gewißheit läßt sich
nur die Zugehörigkeit der Spiele zu der Geistesrichtung des
Tractats behaupten. — Übrigens konnte es dieser mit dem steten
Hinblick auf die mitleidende Mutter auch veranlassen, daß in den
Spielen der Maria die bekannte Rolle zugewiesen wurde; freilich
ist die stumme Compassio im Tractat viel schöner, als die Klagen
im Passionsdrama. Maria äußert sie im Dialog mit ihrem Sohne,
während der Kreuztragung wohl nur eine Strophe (XXXIV, 14)
') Herrtrich: Studien zu den York Plays. Breslauer DiSs. 1886. S. 4.

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