47 
als- solcher wäre höchst ungeschickt; die hier gegebenen Verse 
könnten, mit verbindenden Bühnenanweisungen, ein kleines Drama 
vorstellen. Doch liegt der Entwicklungsgang der Mkl. als Teil 
des Dramas schwerlich in dieser Richtung; eher könnten die 
großen Passionsspiele auch den einzelnen Mkl. Popularität ver 
schafft haben. Es ist vielleicht mehr als Zufall, daß nur eine 
Klage (Y) sicher älter ist, als die der York- und Towneley-Spiele; 
seit der Mitte und 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts erst werden 
die Mkl. in England häufiger. 
Ich behandle in der herkömmlichen Reihenfolge die Klagen 
der York-, Towneley-, Chester-, Coventry- und Digby-Spiele; letztere 
Bezeichnung bezieht sich ebenso, wie bekanntlich die der “Towneley“- 
Spiele, auf die Handschrift, nicht einen Aufführungsort. Während 
die Mkl. der Chester Plays nur einen sehr geringen Raum einnimmt 
und fast ohne Verknüpfung mit der Scene und wirkliche drama 
tische Verwertung eingelegt erscheint, erreichen die Klagen der 
Towneley- und vollends der Digby-Hs. beträchtlichen Umfang; 
in dem “Play of the burial and resurrection of Christ“ der letzteren 
steht die Gestalt der Maria in der Mitte und ihre Klagen machen 
den Hauptteil des ganzen Stückes aus. 
Das XXXIV. und XXXVI. Spiel des Cyclus von York (P), 
“Christ let up to Calvary“ und “Mortificatio Christi“, 'Kreuztragung 
und Tod Christi, stellen auch die Compassio dar und enthalten 
Mkl., aber nur geringen Umfangs; im XXXV. Spiel, der eigent 
lichen Kreuzigung, scheint Maria stumm geblieben zu sein. In 
folge Verstümmelung der Hs. ist ihre herkömmliche Antwort auf 
die durch Johannes überbrachte Unglücksnachricht fast ganz weg 
gefallen ; wo die Hs. fortfährt, zeigt sie uns Jesus auf dem Wege 
nach Golgatha, zu den Frauen — die drei Marien und seine 
Mutter folgen ihm —• sprechend Luc. XXIII, 28—30; die Kriegs 
knechte machen dieser Begegnung gewaltsam ein Ende. 1 ) Da 
*) Da sowohl Johannes’ Botenrolle als M.’s Zurlickdrängung bei der 
Kreuztragung traditionell recht oft erzählt werden (cf. oben zu N,G (S. 45) und 
zu F 8 (S. 26)), so hat Kamann (Über Quellen und Sprache der York Plays. 
Halle 1887. Nachträge zu den Quellen gab Holthausen Archiv LXXXV, 425 u. 
LXXXVI, 280) Unrecht, zu behaupten, das 34. York-Spiel beruhe nur auf 
Luc. XXIII.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.