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daß das Verspaar: “Mary, modyr, cum and se, thi son is naylyd
on a tre“ in b Überschrift, in a der Inhalt von Str. i, i — 2 ist.
— Wie die geringe Mannigfaltigkeit des Reimgutes und die
Trockenheit der Darstellung zeigt, gehört der Dichter von N nicht
zu den Größen; die Reime teile: dvvelle: hylle: spylle und rest:
kest: nest: best zwingen nicht 1 ), ihn in Kent zu suchen.
Die kurzen Mkl. — a Str. 4—5 und b Str. 4 — mit
ihrer schlichten Frage: „Warum mußt du so leiden?“ geben zu
Erörterungen keinen Anlaß.
In 0 bildet das aus N bekannte Verspaar “Mary moder etc.“
den Refrain; es muß zum poetischen Gemeingut gehört und dem
Verfasser von O sehr gefallen haben, denn es paßt als Kehrreim
nur nach der ersten Strophe, in welcher ein Bote Maria ihres
Sohnes Geißelung und Dornenkrönung mitteilt (Metrum wie in N a).
Der Bote wird, wie in N, auch hier Johannes sein, dem auch
wohl Str. 5 in den Mund gelegt ist, Trostworte an Maria, wie
sie in seinem Munde stereotyp sind. Ob Str. 3, welche Christi
Tod erzählt, zur Klage der Maria am Kreuz (Str. 2 vor dem
Tod, Str. 4 danach) gehört, oder ob hier der Dichter spricht,
läßt sich nicht sagen : auf jeden Fall paßt sie nicht zwischen die
Klagestrophen. Deren Gedanken sind geläufig; Str. 2 : Swet son
thynke on thy moder dere! cf. B.-Tr. 91 : O fili, recognosce
miseram et exaudi precem meam! — Str. 4 : Why myght I not
with my son dye ? cf. B.-Tr. 84 f.: Cur secum (i. e. cum filio) non
moritur . . . mater ejus ?
Technisch betrachtet bilden N und O den letzten Schritt
von der einfachen Mkl. zum Drama; N enthielt noch den ver
bindenden Text zwischen den Reden Johannis, Mariae und Jesu,
der Personen^wischen denen sich die kleine dramatische Scene
abspielt, welche in großen Passionsspielen den Höhepunkt zu
bilden pflegt. In O fehlt auch der verbindende Text — Str. 3
') Cf. Morsbach: Me. Gramm. §114 und Anm. I.

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