Grund, ihm entgegen der Angabe des sonst zuverlässigen Copisten
dem Eremiten von Hampole abzusprechen. Die beiden genannten
Werke citiere ich der Kürze halber als „Übersetzung“ und „Trac-
tat“ Richard Rolle’s.
Die „Übersetzung“ (G) giebt fast wortgetreu die Cap. 7-5—92')
der Vorlage wieder; wichtigere Abweichungen (bis zur Aufer
stehung) führe ich hier kurz an; sie stellen sich meist dar als
Kürzungen einiger Betrachtungen und Ausführung einiger sinn
fälliger Schilderungen, daneben geringe Zusätze und Auslassungen.
So ist die lange schöne Meditation über Christus, wie er nach
der Geißelung die Kleider wieder anlegt (Cap. 77) fast ganz
gestrichen; eingehender sind dagegen die Martern erzählt 2 ): wie
ihm vor der Kreuzigung die an den Wunden klebenden Kleider
wieder abgerissen werden (a); die Dornen der Krone dringen
bis auf den Schädel (b); er wird im Liegen auf das Kreuz ge
nagelt, nachdem man die Glieder mit Stricken ausgereckt hat
(c), daß man alle Knochen zählen kann (Psalm 21, 18: dinume-
raverunt omnia ossa mea. — d) 3 ). Endlich wird das Kreuz mit
einem Ruck in die Grube gesetzt, sodaß dem Gekreuzigten
Sehnen und Gelenke zerreißen (e) 4 ). Bonaventura überläßt —
bezeichnend für den Geist der Mystik — dem Leser die Wahl,
über welche Art der Kreuzigung er meditieren wolle, die im
Stehen auf der Leiter oder im Liegen; beide führt er kurz aus
— R. Rolle schildert, wie gesagt, nur die zweite, und zwar ein
gehend; die letzte Grausamkeit der Henker bei der Kreuzauf-
*) In den Edd. Mainz 1609, Venedig 1756 ist 86 als Capitelzahl
versehentlich übersprungen.
*) Einzelne markante Details bezeichne ich, um Verweise zu erleichtern,
durch Buchstaben.
8 ) Die Verwendung von (d) wird bei Gerson (s. oben S. 12) auf den
h. Bernhard zurückgeführt.
4 ) Woher (e) stammt, ist mir nicht bekannt. Im Latein kenne ich nur
eine (wie alte?) Parallele: „... crucem impii ...cum tanto impetu stare faciebant
et ineffabiliter natum affligebant“ heißt es in dem schon erwähnten Hymnus
„Jam nunc matri virgini“ (DrevesXXXI, 161) Str. 36, ohne daß seine Haupt-
cjuelle, der B.-Tr., derartiges enthielte. Die Hs. des Hymnus stammt aus
dem 14./15. Jh.

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