I
Einleitung,
Wenn die Marienklagen innerhalb der mittelalterlichen geist
lichen Dichtung besondere Beachtung finden, so danken sie das
in erster Linie der Bedeutung, die sie für das mittelalterliche
geistliche Drama Deutschlands und Italiens besaßen. Ihre Stellung
im deutschen Passionsschauspiel veranlaßte zuerst Schönbach,
die mhd. Mkl. im Zusammenhang zu untersuchen. Die greifbaren
Resultate seiner Schrift: „Über die Marienklagen“ (Grazer Fest
schrift. 1874.) 1 ) gaben den Anstoß zu der Abhandlung von
Wechssler über: „Die romanischen Marienklagen“ (Halle 1893),
in welcher auch griechische und lateinische Klagen herangezogen
wurden, um die Quellenfrage für die abendländischen Mkl. zu erörtern.
Während Sch. die innere Verwandtschaft der deutschen und ihre
Abhängigkeit von einem lateinischen Vorbild zeigte, 2 ) ergab die
Bearbeitung der romanischen Stücke ein negatives Resultat: unter
diesen scheint eine ausgedehntere directe oder indirecte Ver
wandtschaft nicht zu bestehen.
') Seitdem sind weitere mhd. Klagen und Passionsspiele veröffentlicht
worden : Berner, Erlauer, Halberstädter, Wiener Klagen und Spiele aus Augsburg,
l'rankfurt, Heidelberg u. a. in., cf. Bibliothek des litt. Vereins Bd. 150 S. 302 f.
und Bd. 156 S. 358 ff. (beides 1881); Piper: Geistliche Dichtung des Mittel
alters (Kürschners Nationallitteratur 3,1) I (1888); Heinzei: Beschreibung des
geistlichen Schauspiels im deutschen Mittelalter (1897) (Bd. V der „Beiträge
zur Ästhetik“ hersg. von I.ipps und Werner). Eine neuere Gesamtbearbeitung
der deutschen Klagen fehlt, so daß eine Übersicht nicht leicht zu gewinnen ist.
2 ) Näheres unten zu lat. VIII, wo ich auch auf die abweichende Ansicht
von Milchsack eingehe.

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