Full text: Der Lautstand der föhringischen Mundart

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Selbst Föhringen und Sildringen, die sich wol in ihren mundarten ver 
ständigen könnten, sprechen lieber plattdeutsch. Wo auf der strasse und 
dem markt, in der schenke und beim tanz, in gesellschaften und Ver 
sammlungen, bei der arheit und in den häfen der insein und des fest- 
landes berührungen zwischen den verschieden sprechenden stattfinden, 
da herrscht stets das plattdeutsche vor. Dieses ist somit die den anderen 
dialekten übergeordnete Verkehrssprache, und als solche wird es nicht 
nur die föhringische mundart, sondern auch die nachbardialekte ver 
drängen. Das plattdeutsche ist von den eingewanderten nach Föhr ge 
bracht worden. Die einwanderung beschränkt sich im ganzen auf Oster 
landföhr. Yon hier aus dringt daher das plattdeutsche allmählich nach 
dem westen vor. Auf Westerlandföhr wird nur föhringisch gesprochen, 
während in den östlichen dörfern beide sprachen nebeneinander be 
stehen. Wyk und Nieblum sind schon ganz plattdeutsch, Boldixum 
und Wrixum fast ganz. In Oevenum, Midlum und Alkersum herrscht 
die heimische mundart noch bei weitem vor, doch ist auch hier der 
sieg des plattdeutschen nicht zu verkennen, ebenso in Goting und 
Borgsum. Wenn nun in den östlichen dörfern, namentlich von den 
älteren leuten und in alteingesessenen familien föhringisch gesprochen 
wird, so hat die spräche hier doch schon viel von ihrem altertümlichen 
Charakter, gegenüber dem wehsdringischen, eingebüsst. Den niedergang 
unserer mundart hat man dem einfluss des bades zuschreiben wollen, 
das auch sicher nachteilige folgen für heimische spräche und sitte hat. 
Der hauptgrund ist aber die starke auswanderung der Föhringen und 
die fast ebenso starke einwanderung von fremden, die sich auf Oster 
landföhr niederlassen. Als noch die männer ausnahmslos Seeleute waren, 
also in der blütezeit des grönländischen walfischfanges und der handels- 
schiffahrt, kehrte jeder in seine schlichte heimat zurück. Auch wan- 
derten keine fremde ein, so dass heimische spräche und art ungefährdet 
waren. Die ausgeprägte neigung der insulaner, in die weite zu ziehen, 
hat später eine andere richtung genommen l . Die losung ist nicht mehr: 
1) Ygl. Schleswig-Holsteinische anzeigen, 1760, p. 10. Die meisten föhringi- 
schen auswanderer wohnen in Kalifornien und den grossen städten der Vereinigten 
Staaten, wo sich, wie in San Francisco und New York, föhringische vereine gebildet 
haben. Die auswanderung begann um die mitte des vorigen Jahrhunderts. Nach 
0. Nerong, Die insei Föhr s. 72, sind in den jahren von 1850 — 90 wenigstens 40°/ o 
der confirmierten knaben ausgewandert. Die auswanderung dauert fort, wenn 
auch ein nachlassen zu erkennen ist. Es wenden sich in den letzten jahren wieder 
mehr Föhringen der seefahrt zu, eine erfreuliche tatsache, da sie für die Wohl 
fahrt und die erhaltung der ideellen guter des kleinen Völkchens sicher die beste 
Vorbedingung ist.
	        
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