6
Das dänische ist nach Föhr gekommen durch die dänischen oder
nordschleswigschen einwanderer, und zwar nach der landaufteilung (für
Osterlandföhr in den jahren 1772—76, für Westerlandföhr 1801—2), durch
die das gemeindeland zum Privateigentum wurde. Alle körperlich gesunden
männer widmeten sich früher der Seefahrt. Die landwirtschaft spielte
trotz der fruchtbarkeit der insei nur eine untergeordnete rolle. Sie
wurde von den trauen betrieben. 1 Als sich nun infolge der landaufteilung,
da die männer zunächst noch der Seefahrt treu blieben, ein bedeutender
mangel an arbeitskräften herausstellte, wurden arbeiter aus Jütland und
Nordschleswig herangezogen, von denen sich viele auf Föhr niederliessen.
Noch in der zeit, als die Seefahrt abnahm und die Föhringen sich mehr
der landwirtschaft zuwandten, hatten die bauern in der regel dänische
knechte, die ausdrücklich für fleissigere und tüchtigere arbeiter galten,
als die „Deutschen“ d. h. meistens plattdeutsch sprechende Nieder
deutsche. Die dänische einwanderung hat jetzt fast ganz aufgehört.
Kinder von dänischen eitern oder aus eben zwischen Dänen und Föh
rerinnen sprechen auf Westerlandföhr in der regel föhringisch, im osten
entweder föhringisch oder plattdeutsch. Das dänische ist, da namentlich
auch viele Föhringen diese spräche beherrschten und mit ihren arbeitern
dänisch sprachen, nicht ohne einfluss geblieben, der sich in der ent-
lehnung dänischer Wörter zeigt.
Das hochdeutsche hat wenig eingang gefunden. Es wird nur
von einem teil der bevölkerung in Wyk gesprochen, meistens einge
wanderten, und in den dörfern nur in pastoren- und lehrerfamilien.
Die einheimische bevölkerung empfindet das hochdeutsche fast als etwas
fremdes. Wirklich geläufig ist es nur denen, die länger von der insei
fort waren, also besonders den männern, die als seeleute oder in einem
anderen beruf hinausgekommen sind. Doch auch diese ziehen das föh-
ringische oder, wenn das nicht geht, das plattdeutsche vor. Nur wenn
die Unterhaltung in diesen beiden sprachen unmöglich ist, bequemt sich
der Föhringe zum hochdeutschen, und oft hat man gelegenheit zu be
obachten, wie der bauer oder Schiffer, mehr aber noch die föhringische
frau, mit dem ausdruck förmlich ringt. Andererseits trifft man nicht
selten leute an, die durch schule, kirche und lectüre der deutschen
dichter grammatisch richtig und stilistisch gut deutsch sprechen, wenn
auch die aussprache, wie nicht anders zu erwarten ist, oft stark an das
föhringische erinnert.
Wo immer Föhringen mit anderen Friesen, Dänen oder Nieder
deutschen zusammen kommen, da bedient man sich des plattdeutschen.
1) Vgl. Schleswig - Holsteinische anzeigen 1760, p. 11.

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.