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II. Das föhringische im Verhältnis zu den nachbarsprachen.
Die einheimische mundart ist niemals schritt-, amts-, kirchen- und
schulsprache gewesen. Seit dem frieden zwischen könig Erich von
Dänemark und herzog Adolf VIII. von Schleswig im jahre 1435 gehörte
Westerlandföhr zu Dänemark, Osterlandföhr zum herzogtum Schleswig.
Der politischen Spaltung gemäss galt als amtssprache für Westerland
föhr die dänische, für Osterlandföhr die plattdeutsche, und erst seit zwei
Jahrhunderten die hochdeutsche spräche, diese natürlich seit 1864 für
die ganze insei. Das föhringische ist demnach nur die Umgangssprache
gewesen. Als solche hat es sich allein herrschend nur auf Westerlandföhr
erhalten, während der osten der insei zweisprachig ist. Hier bestehen
föhringisch und plattdeutsch nebeneinander. In Wyk spricht ein teil der
bevölkerung auch schon hochdeutsch. Hin und wieder hört man auch ein
gewanderte Dänen und Hallig- oder Eestlandsfriesen deren sprachen reden.
Die nächsten verwandten des föhringischen sind die dialekte von
Amrum, Sylt und Helgoland. Von diesen vier dialekten stehen sich
das föhringische und amringische am nächsten. Stärker weichen der
sylter und helgoländer dialekt ab, was sich ohne weiteres aus der längeren
trennung und grösseren entfernung erklärt. Dass einst, als Föhr und
Sylt noch beträchtlich grösser waren und viel näher zusammen lagen
als jetzt, ein enger verkehr zwischen diesen beiden insein bestanden hat,
ist mir sehr wahrscheinlich. Ein solcher ist zwischen Föhringen und
Helgoländern ausdrücklich bezeugt 1 .
Am wenigsten einfluss haben andere friesische dialekte auf das
föhringische gehabt. Halligfriesen haben sich zum erstenmal nach der
grossen Sturmflut von 1634, in der tausende ihren tod fanden und viele
andere land und besitz verloren, in Wyk niedergelassen. Seitdem sind
nach jeder grösseren flut halligbewohner eingewandert, die sich ausser
in Wyk auch in Nieblum ansiedelten. Sie sprachen natürlich unter sich
ihr friesisch, das vom föhringischen so stark abweicht, dass Föhringen
und eingewanderte Friesen im verkehr miteinander sich des plattdeut
schen bedienten. Wenn das friesische in den eingewanderten familien
auch zunächst beibehalten wurde, so gab es die folgende generation
meistens schon zu gunsten des plattdeutschen auf.
1) Über die nahen beziehungen zwischen Föhringen und Helgoländern vgl.
Petrus Sax, Beschreibung der insul Helgoland, Dänische bibliothek VIII. Copenhagen
1746, p. 525, abgedruckt bei Bremer, Ndd. jb. XIII, 5 und 0. Nerong, Die insei
Föhrs. 25: „Hinsichtlich des heringsfanges bei Helgoland sei hier noch erwähnt, dass
nach einer mitteilung in einem kirchenbuck zu St. Laurentii die Föhrer im frühling
1635 abgereist sind, um den Helgoländern zu dienen.“

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