A. Einleitung.
Für die erforschung der mundarten Schleswig-Holsteins, besonders
aber des westlichen Schleswigs mit seinen vorgelagerten grösseren oder
kleineren insein und halligen, den sogenannten nordfriesischen Utlanden,
ist verhältnismässig wenig getan. Dazu rührt das wenige leider meistens
von dilettanten her, an denen mehr der gute wille und fleiss zu loben
sind, als die positiven leistungen. Gerade hier hat sich, begünstigt durch
die örtliche trennung der stammesgenossen von einander, eine solche
fülle von mundarten entwickelt, dass das räumlich nur so kleine Nord
friesland mit seinen zahlreichen eilanden für den dialektforscher ein
verhältnismässig grosses arbeitsfeld bietet. Die erforschung der friesi
schen mundarten ist um so mehr zu wünschen, als diese dem sicheren
Untergang geweiht sind. Die lobenswerten bestrebungen, namentlich
des Nordfriesischen Vereins, werden, wie mir scheinen will, das aus
sterben unserer mundarten nur verzögern, nicht aber verhindern können.
Volksdialekte, wenn auch nicht jeder in demselben masse, sind bedroht,
von der gemeinsamen schrift-, schul-, kirchen-, amts- und Verkehrs
sprache unterdrückt zu werden. Doch ist es diese nicht allein. Auch
die dialekte unter sich wirken in der tendenz uniformierenden ausgleichs,
und zwar in der weise, dass mundarten grösserer Sprachgemeinschaften
ihre schwächeren nachbarinnen verdrängen. Beide arten der Verdrängung
der volksdialekte lassen sich z. b. am plattdeutschen beobachten. Einer
seits muss es dem von Süden und aus den Städten her vordringenden
hochdeutschen weichen, während es andererseits nach dem norden hin
siegreich in das friesische gebiet eindringt. Daher gilt es, für die
Wissenschaft so viel als möglich zu retten, ehe es zu spät ist und die
lebendige quelle der mundarten versiegt.
I. Grenzen.
Es wurde schon angedeutet, dass Nordfriesland ein an dialekten
reiches ländchen ist. Das gilt von den insein und halligen noch mehr, als
vom festlande. Die insulare läge führte naturgemäss zu einer grösseren
dialektischen Spaltung. Jedes eiland hat daher seinen eigenen dialekt.
Trotzdem stehen einzelne dieser mundarten einander näher, so z. b.
l*

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