Full text: Der Lautstand der föhringischen Mundart

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haben hier eine höchst interessante und instructive sprachgeschichtliche 
erscheinung zu constatieren, nämlich den kampf zwischen dem alten 
und dem neuen. Die älteren laute />, Ö, t, 8, v sind nur im ws. noch 
allgemein gebräuchlich. Von der älteren generation und einzelnen alt 
eingesessenen familien, die die älteren laute bewahrt haben, abgesehen, 
entsprechen im aos. s, z, t, d, n. Wir haben hier demnach einen 
lautwandel, der sich in der gegenwart vollzieht und also in seinem 
fortschritt beobachtet werden kann. Es wird pys, Ö > z, r > t, 8 yd, 
v y n, d. h. die dentalen werden zu alveolaren. Man wird zunächst 
geneigt sein, von einem lautgesetz zu reden. Allein der Vorgang ist 
wahrscheinlich ein anderer. Schon in den einleitenden betnerkungen 
habe ich darauf hingewiesen, dass nur im westen der insei allein 
föhringisch gesprochen wird, während man im osten schon viel platt 
deutsch redet, und zwar je weiter nach osten, desto mehr. Wenn man 
nun bedenkt, dass die neueren laute des aos. sämtlich auch im hoch- 
und plattdeutschen Vorkommen, im fö. aber nur in den dörfern, wo die 
heimische spräche und das plattdeutsche nebeneinander bestehen, ferner 
dass ältere leute im osten, die in ihrer jugend nie plattdeutsch gesprochen 
haben, die alte aussprache bewahrt haben, während die jüngere gene 
ration, die ebenso viel plattdeutsch als föhringisch spricht, sich der 
neueren laute bedient, so scheint es mir wahrscheinlich, dass wir in 
diesen neuerungen plattdeutschen einfluss zu sehen haben. Kinder von 
plattdeutschen eitern werden, wenn sie im verkehr mit Föhringen deren 
Sprache lernen, die feinen unterschiede garnicht hören und die ihnen 
geläufigen laute mechanisch in der anderen spräche anwenden. Wer 
von kindheit auf beide sprachen spricht, wie jetzt alle auf Osterlandföhr, 
wird leicht zu derselben unbewussten anpassung schreiten. Auch das 
hochdeutsche der schule wird diesen process begünstigen 1 . 
1) Eine stütze findet diese auffassung in einer anderen erscheinung, die wol 
kaum in zweifei gezogen werden kann, in der tatsache nämlich, dass auch in der 
syntax des aos. sich plattdeutscher einfluss geltend macht, nicht aber im ws. Es sei 
auf zwei altertümliche syntaktische erscheinungen aufmerksam gemacht, die auch im 
aos. noch lebendig sipd, doch bei weitem nicht mehr in dem umfange wie im ws: 
a) das häufige fehlen des bestimmten artikels zwischen präposition und substantiv: bi 
hys (beim hause), et hys (zu hause), f&on hys (vom hause, in der fremde), t'u hav 
(zur kirche), yb fiel (auf dem felde), ün eij, (an land) u. a. sind auf der ganzen insei 
stereotype Wendungen. Doch in vielen fällen, wie bi sdruv (am strande), ün huv 
(in der hand, in die hand), ävr Mdd (über die heide), fSr der (vor der tür, vor die 
tür) fügt man in den östlichen dörfern den artikel hinzu, b) Die endung em (< um 
des dat. pl. vgl. Siebs, P. gr. I 2 , 1242): äovr ekerem (übers feld) und adverbien oder 
adverbiale Verbindungen wie letem (leise), gratem (laut), sn däoiem (eines tages) sind
	        

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