Full text: Der Lautstand der föhringischen Mundart

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= ws. tfrau, aos. släv (schlagen) = ws. slau. Dem ä auf Amrum ent 
spricht in allen anderen fällen auf Föhr ein laut, der zwischen a und o 
liegt. Die Stellung für diesen erhält man durch geringe hebung der 
zunge aus der a-Stellung und eine gleichzeitige leichte Verschiebung 
der articulationsstelle nach hinten. Die zunge articuliert schwach. Die 
Zungenspitze ist noch weiter zurückgezogen als beim reinen a. Die 
lippen sind kaum merklich gerundet. Dieser vocal ist im wehsdringischen 
lang (d), im aosdringischen nur kurz. Dem ws. d, für das auch g vor 
kommt, entspricht aos. ao (vgl. Bremer, Ndd. jb. XIII, 16). 
§ 3. Vocalarticulation im hinteren mundgebiet. 
1. Mit höchster Zungenstellung. 
Der hintere zungenrücken ist beim geschlossenen u so sehr gegen 
den hinteren, weichen gaumen gehoben, dass eine weitere annäherung 
beim passieren des luftstromes ein deutliches reibegeräusch zur folge 
haben würde. Die articulation ist energisch, die musculatur des hinteren 
Zungenrückens daher straff gespannt. Der vordere teil der zunge ist 
nach unten und weit hinter die unteren alveolen zurückgezogen. Die 
lippen sind vorgestülpt und gerundet. 
u unterscheidet sich von « durch die kürze, Senkung des articu- 
lierenden zungenteils und die schlaffere articulation. Die lippenrundung 
ist bedeutend schwächer. Es nähert sich in seinem klänge dem ge 
schlossenen o. 
2. Mit mittlerer zungenstellung. 
Nur wenig tiefer als beim offenen u liegt der hintere zungenrücken 
beim geschlossenen o, das im föhringischen nur lang vorkommt. Dazu 
liegt die articulationsstelle etwas weiter nach vorne. Die articulations- 
intensität ist eine mittlere. Die lippen sind weniger gerundet als bei «, 
aber mehr als bei u. Die Zungenspitze ist, wenn auch bei weitem 
nicht so stark wie bei «, zurückgezogen. Die vorderzunge liegt tief, 
der Unterkiefer ist gegen die «-Stellung etwas gesenkt. Dieses 0 ist 
nur aosdringisch. Auf Amrum entspricht ihm ein weit offenes o, das 
schon deutlich an a erinnert. Das ws. p liegt zwischen beiden, doch 
dem aos. 0 näher, so dass es als mittel zu bezeichnen ist. Vom ö 
unterscheidet es sich durch seine wenig tiefere zungenstellung, schlaffere 
articulation, geringes vorstrecken der Zungenspitze, schwinden der lippen 
rundung und eine kaum merkliche Senkung des Unterkiefers. 
3. Mit tiefster zungenstellung. 
Das kurze offene o liegt zwischen dem eben beschriebenen g und 
dem o-farbigen «-laut d. Die zunge liegt mit g verglichen tiefer und 
articuliert schwächer.
	        

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