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mit Sicherheit das Gegenteil. Eine Fülle von Äußerungen
B.’s über Corneille, von denen wir hier am Eingänge dieses
Kapitels nur einige mitteilen, lassen deutlich die Ehrfurcht
erkennen, welche B. vor dem Dichter des Cid empfand. —
Monchesnay berichtet im Bolseana (S. 479) »Un des plus grands
admirateurs de Corneille, c’ötait certainement M. Despreaux.«
— Als B. erfuhr, daß Chapelain mit der größten Pension
von Colbert bedacht worden war, dachte er an Corneille als
den »roi des auteurs,« 2 ) der in Wahrheit der allein würdige
sei, das Scepter auf dem Parnaß zu führen. — Aus dem
Satze »Queis honneurs n’a-t-on point, pour ainsi dire, rendus
ä M. de Corneille et Racine,« 8 ) klingt unter Berücksichtigung
der übrigen Äußerungen B.’s über Corneille und Racine
deutlich heraus, daß auch B. diese Ehrungen als berechtigt
anerkannte. Und diese Achtung bewahrte ihm B. trotz mancher
Vorkommnisse, die ihn hätten beirren können, bis an sein
Lebensende. Bekannt genug ist ferner die Anekdote, 4 ) nach
der sich B. für den in Armut und Not geratenen Dichter,
der im Sterben lag und dem man die Pension entzogen hatte,
beim König um eine Unterstützung verwandte.
Die angeführten Äußerungen und diese Handlungsweise
B.’s werden begründet durch die Auffassung, die B. von
Corneille’s Lebenswerk hatte. Er bezeichnete ihn als den
»inventeur d’un nouveau genre de tragedie inconnu ä Aristote.«
Und mit den Augen B.’s haben auch die folgenden Generationen
stets zu dem Vater 5 ) des klassischen Dramas emporgeblickt.
§ 103. Alle Verehrung, die B. für Corneille hegte, hat
indessen seinen Blick für seine Schwächen nicht getrübt. Er
hat. richtig ebenso wie die Nachwelt einen zweifachen Corneille
unterschieden, den jugendlichen Verfasser des Cid und des
Horace, den er nicht genug zu loben wußte, und den greisen
Corneille, dessen poetische Ader versiegt war. So bezeichnete
er in der 7. an Racine gerichteten Epistel diesen als allein
dazu befähigt, den gealterten Corneille zu ersetzen. V. 40—42.
»Toi donc qui, t’elevant sur la scene tragique,
Suis les pas de Sophocle et, seul de tant d'esprits
De Corneille vieilli sais consoler Paris.«
Ferner Art poet. IV, 195—196.
»Que Corneille, pour lui ralluman! son audace
Soil encore le Corneille et du Cid et d’Horace.«

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