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§ 101. Über den Tragödiendichter Rotrou, 10 ) denjenigen
Zeitgenossen Corneille’s, der ihm an Bedeuturg am nächsten
kam und von dem Sainte- Beuve n ) sagte, daß er obwohl
»beaucoup inferieur ä Corneille,« doch, wenn er sich zu
höherem Schwünge erhebe, dies »dans le meme sens et sur
les memes tons« wie sein Nachfolger Corneille tue, haben
wir durch Monchesnay’s Aufzeichnungen nur einen Beweis,
daß B. ihn gekannt hat. B., berichtet unser Gewährsmann,
habe einen Vers in den Sosies Rotrou’s besser und natür
licher als zwei Verse Moliöre's aus dem Amphitryon gefunden,
die den gleichen Gedankeninhalt ausdrücken. Bolmana (464)
»II citait meine un vers de Rotrou dans sa piece des Sosies,
qu’il pretendait plus naturel que ces deux de Moliere:
»Et j'etais venu, je vous jure,
Avant que je fusse arrivö.«
Or voici le vers de Rotrou:
»J’etais chez nous longtemps avant que d’arriver.«
Da wir außer dieser belanglosen Äußerung, die außer
dem noch ein Lustspiel Rotrous betrifft, nichts an Urteilen
B.’s über Rotrou haben, scheint es demnach, daß B. Rotrou
überhaupt garnicht verstanden hat, sonst würde er doch wohl
nicht so stillschweigend über ihn hinweggegangen sein. Das
wäre allerdings ein klassisches Testimonium für die Beschränkt
heit B.’s, der innerhalb eines gewissen Kreises in der Litteratur,
vornehmlich über Werke klassischer Richtung, sehr richtige
Urteile zu fällen wußte, aber für alles Romantische keinen
Sinn hatte. Merkwürdig wäre dann allerdings nicht bloß,
daß B. sich nicht über ihn ausgesprochen hat, sondern daß
er Rotrou, der Romantiker war und von dem Zeitgeschmack
dadurch so abwich, nicht geradezu getadelt hat.
Kapitel XI.
Die Urteile Boileau’s über Corneille.
§ 102. Es unterliegt keinem Zweifel, daß B. Corneille
in seiner großen Bedeutung für die französische National-
litteratur erkannt hat. Bourgoin ‘) irrt sich, wenn er sagl:
»II est dout eux qu’il ait vu la lueur de l’etincelle divine qui
jaillissait du cerveau d’un Corneille.« B.’s Urteile beweisen

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