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hange ihre Behandlung. B. hat an den ersten 14 Versen der
Bouillon’schen Dichtung eine bis in’s Einzelne, fast jedes dort
gebrauchte Wort angreifende Kritik unternommen. Das scharfe,
secierende Messer der Kritik B.’s stumpft aber ab an den
unzähligen »sottises« dieses Werkes. Verzweifelnd ruft B.
aus: »Et que serait-ce, bon Dieu! si j’allais rechercher toutes
les impertinences de cet ouvrage, les mauvaises faqons de
parier, les rudesses, les incongruites, les choses froides et plate
ment dites qui s’y rencontrent partout? Juste ciel! Quelle langue
est ce lä.« Die Probe, die B. aus der Bouillon’schen Muse heraus
greift, mögen genügen, um jede etwaige günstige Meinung von
Bouillon’s Werk im Keime zu ersticken. 43 ) Die zahlreichen,
vernichtenden Ausfälle B.’s gegen den unglücklichen Bouillon
sämtlich hier zu zitieren, würde zu weit führen. Ich verweise
auf die kleine Abhandlung B.’s selbst.
Kapitel X.
Boileau’s Urteile über die tragischen Dichter
vor und neben Corneille.
§ 97. Über die tragischen Dichter vor Corneille haben
wir nur eine sehr geringe Anzahl von Urteilen aus B.’s Munde.
B. hätte auch wenig zu loben gefunden; denn kein erfreu
liches Bild ist es im allgemeinen, das die französische
tragische Dichtung im ersten Drittel des 17. Jahrhunderts dar
bietet. Diesem Zustande entsprechend sind die wenigen
Urteile B.’s über dieselben sehr abfälliger Art. Es kann uns
dies auch aus einem andern Grunde nicht Wunder nehmen.
B. hatte die großen Dramatiker der späteren Zeit vor Augen.
Ihre Vorgänger mußten ihm wie Zwerge neben diesen Riesen
erscheinen.
§ 98. Zu den Dramatikern, die B. in seinen Werken
erwähnte, gehören zunächst die beiden Vertreter des höfischen
Dramas Theophile de Viaud und Jean de Mairet. — B.’s
Urteil über den Dramatiker Theophile ist wohl nicht günstiger
gewesen wie das von dem Lyriker. Andernfalls hätte B.
wohl aus dem preziösen Drama Pyrame et Thisbe Theophile’s
nicht eine Stelle zitiert, die ihm als ein warnendes Muster-

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