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Paul geschrieben. Da dieses aber von B. nicht ausdrücklich
erwähnt wurde, habe ich ihm an dieser Stelle seinen Platz
zugewiesen. Über Godeau hat sich B. in einem Brief an
Maucroix 29 ) verhältnismäßig sehr ausführlich geäußert.
»Je suis bien aise que mon goüt se rencontre si con-
forme au vötre dans tout ce que je vous ai dit de nos auteurs,
et je suis persuade aussi bien que vous que M. Godeau est
un poete fort estimable. II me semble pourtant qu’on peut
dire de lui ce que Longin dit d’Hyperide, qu’il est toujours
ä jeun, et qu’il n’a rien qui remue ni qui öchauffe; en un mot,
qu’il n’a point cette force de style et cette vivacite d’expression
qu’on cherche dans les ouvrages, et qui les font durer. Je
ne sais point s’il passera ä la posterite; mais il faudra pour
cela qu’il ressuscite, puisqu’on peut dire qu’il est dejä mort,
n’etant presque plus maintenant lu de personne.«
Godeau, 30 ) der einst im Hotel de Bambouillet der ge
feierte Liebling war, wurde also schon im Jahre 1695 von
B. sehr von oben herab abgefertigt. B. halte Godeaus
litterarischer Zukunft das richtige Prognostikon gestellt, wenn
er hier sagt, daß die Nachwelt seine Werke bald vergessen werde.
§ 59. Meine Betrachtung führt jetzt zu einer Gruppe
von lyrischen Dichtern, die hauptsächlich auf dem Gebiete
des Sonnetts Lorbeeren erstrebten, daneben aber auch die
Ode, die Stanze und das Epigramm pflegten. Die starke
Pflege des Sonnetts war kein Zufall, sondern war in den
Verhältnissen der damaligen Zeit begründet, in der man eine
lebhafte Freude an zierlichen Formen der Dichtung empfand
und den Inhalt als mehr nebensächlich ansah. »Wenn irgendwo,
bemerkt Lotheissen, 31 ) ist im Sonnett die Schönheit der Form
unerläßlich. Je größer der Zwang, der zu überwinden war,
desto ruhmvoller erschien der Sieg. Noch B. erklärt, daß
ein gelungenes Sonnett eine große Dichtung aufwiege.« Art
poet. II, V. 94.
»Up- sonnet sans defaut vaut seul un long poöme.
Mais en vain mille auteurs y pensent arriver,
Et cet heureux phenix est encore ä trouver.« 32 )
Wegen der großen Schwierigkeiten war also nach B.’s
Urteil die Zahl der tüchtigen poetischen Leistungen auf diesem
Gebiet außerordentlich beschränkt.

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