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nach kann es nicht befremden, daß auch B. an den lyrischen
Dichtern seiner Zeit viel zu tadeln und wenig zu loben
gefunden hat. Und nicht einmal die wenigen lyrischen Dichter,
die von B. Worte der Anerkennung erfahren haben, sind
derselben, wenn man sie nach den jetzt geltenden Grundsätzen
beurteilt, für würdig zu erachten. — B.’s Urteile über die
lyrischen Dichter beziehen sich durchweg auf Verfasser von
Hirtengedichten, Idyllen, Elegien, Oden und Sonnetten.
§ 52. Der älteste dieser von B. erwähnten und hier
in Betracht kommenden Dichter istThöophiledeViaud. 2 )
Aus B.’s sehr wenig inhaltsreichen Äußerungen über ihn ist
nur zu ersehen, daß unser Kritiker ihn nicht sehr geschätzt
hat. Als B. in der 3. Satire die gänzliche Urteilslosigkeit
des Gastgebers über litterarische Dinge zum Ausdruck bringen
will, findet er nichts passenderes, als ihn zu einem Verehrer
Theophile’s und Ronsart’s zu machen. V. 171, 172.
»Mais notre höte surtout, pour la justesse et l’art
ßlevait jusqu’au ciel Theophile et Ronsart.«
B. verfolgte die Nachahmer Ronsarts’s 8 ) mit ebensoviel
Erbitterung wie er das litterarische Schaffen ihres Meisters
selbst angegriffen hatte. Er ahnte indeß nicht, daß die Neben
einanderstellung der beiden Genannten Theophile wohl mehr
ehrte, als daß sie ihn herabsetzte. 4 ) In der 9. Satire macht
er Theophile zum Liebling der dummen Höflinge. Sat. IX,
V. 174—175.
»Tous les jours ä la cour un sot de qualite
Peut juger de travers avec impunite.
A Malherbe, ä Racan, pröförer Theophile.«
In der zugehörigen Esquisse en prose 5 ) derselben Satire
nennt er den Stil Theophile’s »enerve.« Er wollte damit
wohl sagen, daß die Poesie Thöophile’s ohne Kraft und
Originalität sei, was die Lektüre seiner Dichtungen eintönig
mache. Es sei bemerkt, daß von den meisten Litterarhistorikern
B.’s Beurteilung zu hart gefunden wurde. 6 ) Am energischsten
hat wieder'einmal Theophile Gautier 7 ) die Verteidigung dieses
Opfers B.’s geführt. »J’ai toujours ete etonne,« sagt er, »du
discrödit et de l’oubli oü ce nom recommandable ä tout
d’egards est tombe, maintenant que les reformes qu’il voulait
introduire son aecepteesdetoutlemonde, peut-etre n’y trouvera-

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