Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

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de l’Academie franqaise, daß B. in einer akademischen Rede 
mit einem Feuer, das ihm in der Unterhaltung nicht eigen 
war, versichert hätte, Mme de Lafayette wäre die Frau Frank 
reichs »qui avait le plus d’esprit et qui ecrivait le mieux.« 
— B.’s Kampf gegen die Unnatur der Romane in der vorauf 
gegangenen Zeitperiode hatte wohl mit dazu beigetragen, dieser 
Fortsetzerin des idealistischen und zugleich Schöpferin des 
modernen psychologischen Romans den Weg zu bahnen. 
Kapitel V. 
Boileau’s Urteile über die Verfasser von 
realistischen Prosa-Romanen. 
§ 43. Die Urteile B.’s über die Vertreter des realistischen 
Romans sind nicht sehr zahlreich. Die. Romane Sorel’s, Mare- 
chal’s und selbst Furetiere’s, x ) über die man vielleicht ein 
Urteil von Seiten B.’s erwarten dürfte, sind von ihm über 
haupt nicht einmal auch nur erwähnt worden. Über diese 
auf den ersten Blick auffällige Tatsache weitläufige Hypothesen 
aufstellen zu wollen, wäre überflüssig; denn sie hat wohl 
einen sehr naheliegenden und natürlichen Grund. Es muß 
nämlich ein für alle Mal ausgesprochen werden, daß B.’s 
Werke doch eigentlich im Verhältnis zu der Bedeutung ihres 
Verfassers wenig umfangreich sind, und man deshalb noch 
nicht über alle B. zeitgenössischen Dichter Urteile in seinen 
Werken erwarten kann. 
% 
§ 44. Zu den wenigen der mit einigen Worten der 
Kritik bedachten Vertreter des realistischen Romans gehört 
Cyrano de Bergerac. 2 ) Art poöt. IV, 37—40. 
Un fou du moins fait rire, et peut nous egayer; 
Mais un froid ecrivain ne sait rien qu’ennuyer. 
I’aime mieux Bergerac et sa burlesque audac 
Que ces vers oü Motin se morfond et nous glace. 
In der kleinen Anzahl von Versen, die B. ihm gewidmet 
hat, macht Cyrano sich vergleichsweise günstig. Aber das 
Lob wollte freilich nicht viel bedeuten; s ) denn Motin 4 ) war 
einer der unbedeutendsten Dichter der damaligen Zeit, und 
es war wohl selbstverständlich, welchem von beiden bei einem
	        

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