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d’anatomie moderne, j'ajoute que le tout est abstrait, subtil d’un
raisonnement excessif et sec au fond et desagreable. — Elle
distingue, eile divise et subdivise, eile classifie, eile enseigne.
Jamais de fraicheur; le delicat meme tourne vite au didac-
tique et ä l’alambique. — Si donc il fallait conclure et
repondre ä la question posee au debut, je rattacherais desor-
mais au nom de Mlle de Scudery l’idee, non pas du ridicule,
mais plütöt de l’estime, d’une estime tres-serieuse, et point
du tout l’idee de l’attrait ou de la gräce.« Der berühmte
Kritiker des 19. Jahrhunderts und des Romantismus steht also
im Wesentlichen auf einem andern Standpunkt als der große
Kritiker des 17. Jahrhunderts und des Klassicismus. Sainte-
Beuve 59 ) gibt uns auch eine Erklärung, wie es möglich gewesen
sei, daß Romane mit so vielen augenfälligen Mängeln und so
groben Verstößen gegen die geschichtliche Wahrheit, die für
die Illusion eines Menschen der Gegenwart daraus eine
unerträgliche Lektüre machen würden, selbst den Beifall
der hochgebildeten Menschen des 17. Jahrhunderts wie der
Mme de Lafayette 59a ) und der de Sevigne 60 ) erringen konnten.
»On n’avait alors aucune idee veritable du genie des divers
temps et de la profonde difference des mceurs dans l’Histoire.«
Madelaine de Scudery’s Fehler wäre also demnach als zeitlich
begründet anzusehen und daher zu entschuldigen. Die Aus
lassung dieses mildernden Umstandes gereicht B. indeß nicht
zum Vorwurf. Er forderte etwas Berechtigtes und dadurch
daß er es zu seiner Zeit forderte, eilte er ihr voraus und seine
Bedeutung als Kritiker wächst dadurch. Wenn die Romane
genauer besehen und vom Cousin'sehen Standpunkt betrachtet,
weniger langweilig erscheinen mögen, so ist dies darin be
gründet, daß sie dann als Gemälde aus der Zeit Ludwigs XIV.
ein sittengeschichtliches Interesse gewinnen. B. hat die Methode
angegriffen, deren Mlle de Scudery sich bediente, dabei hat
er außer Acht gelassen, daß die Scudery, weil sie die Per
sönlichkeiten der Gegenwart nicht mit Namen und getreuer
Umgebung vorführen konnte, ihrer Dichtung eine Form gab,
durch welche die Handlung in eine ferne Vergangenheit ver
legt wurde. — Aber dennoch gilt das Wort Fournel’s, 61 ) das
diese Ausführungen beschließen möge: »Mademoiselle de
Scudery est morte et bien morte; et lorsqu’on remet en

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