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Am Eingang dieses Kapitels 48 ) wurde bereits ausgefübrt,
daß B. den Einfluß der idealistischen Romane auch vom
moralischen Standpunkt für verderblich hielt. In der 10. Satire
redet er in diesem Sinne von einer jungen Frau, die durch
die Lektüre der Clelie ihrem Gatten untreu wird (V. 158—164). 49 )
Derartiges hütete B. sich indeß öfter auszusprechen,
da er wußte, daß man es im Publikum übel aufnahm. Auch
scheute er Verfeindungen mit der Hofgesellschaft, in der Mlle
de Scudery zahlreiche Freunde und Verehrer besaß. 50 )
§ 39. Was sich an Urteilen über Madelaine de Scudery
sonst noch in B.’s Werken findet, ist von untergeordneter
Bedeutung. Der Vollständigkeit wiegen sei nur angeführt, daß
B. das Fräulein von Scudery auch in ihrer Eigenschaft als
Übersetzerin eines italienischen Romans 51 ) angriff. Lutrin V,
V. 154.
»Et toi, rebut du peuple, inconnu Caloandre.«
Aus dem Zusammenhang, in dem der Vers steht, geht hervor,
daß auch dieses Werk zu nichts weiterem für gut erachtet
wird, als zu einem Wurfgeschoß im Kampfe der Sakristane.
Das Wenige, was B. über Mlle de Scudery nach ihrem
Tode gesagt hat, mildert seine früheren harten Urteile etwas
ab. Er hatte, wie er bekannte, 62 ) seinen Dialog »Les Heros
de Romans« nicht zu Lebzeiten Madeleine’s herausgeben
wollen mit der Begründung: »Cependant, comme Mlle de
Scudöry etait alors vivante, je me contentai de composer ce
dialogue dans ma tete; et bien loin de le faire imprimer, je
gagnai meme sur moi de ne point l’öcrire, et de ne point le
laisser voir sur le papier, ne voulant pas donner ce chagrin
ä une Alle qui, aprös tout, avait beaucoup de merite, et qui
s’il en faut croire tous ceux qui l’ont connue, nonobstant
la mauvaise morale enseignee dans ses romans, avait encore
plus de probite et d’honneur que d’esprit.« 6S ) Man muß den
Urteilen B.'s häufig den Vorwurf machen, daß sie nicht genug
sagen; derselbe gilt besonders in diesem Falle; denn bei
dieser bedingten Anerkennung — bedingt, weil auch dieses
Urteil ein gleichzeitig kränkendes ist — bleibt zu bedauern,
daß B. sich über die Verdienste des Fräuleins von Scudery
nicht ausgesprochen hat. Wir hätten doch gerne aus seinem
Munde erfahren, worin denn nach seiner Meinung die litte-

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