Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

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III. Kapitel. 
Boileaus Urteile über die Verfasser von burlesken 
Versepen und Gedichten. 
§ 22. Der Hauptvertreter der von B. so bekämpften 
burlesken 1 ) Ependichtung war Scarron. 2 ) — Doch bevor 
ich auf ihn näher eingehe, sei es mir gestattet, noch einmal 
auf Saint-Amant 8 ) zurückzukommen, der in der burlesken 
Dichtung der Vorgänger Scarron’s gewesen ist und auch in 
dieser Eigenschaft B.’s Spott herausgefordert hat. VI. Reflexion 
sur Longin. 
En effet, de trop s’areter aux petites choses, cela gäte tont. 
(Paroles de Longin, chap. VIII.) 
II n’y a rien de plus vrai, surtout dans les vers; et 
c’est un des grands defauts de Saint-Amant. 4 ) Ce poete 
avait assez de genie pour les ouvrages de debauche et de 
satire outree, et il a meme quelquefois des boutades assez 
heureuses dans le serieux; mais il gäte tout par les basses 
circonstances qu’il y mele. C’est ce qu’on peut voir dans 
son ode intitulee la Solitude, qui est son meilleur ouvrages, 
oü parmi un fort grand nombre d’images tres-agreables, il 
vient presenter mal ä propos aux yeux les choses du monde 
les plus affreuses, des crapauds et des limapons qui bavent, 
le squelette d’un pendu, etc. 
La branle le squelette horrible 
D’un pauvre amant qui se pendit. 
Das Lob, das B. hier Saint-Amant zuerkennt, 8 ) »assez 
de genie pour les ouvrages de debauche« gehabt zu haben, 
ist gewiß ein sehr zweifelhaftes. Bedeutend mehr wollte es 
schon heißen, wenn B. ihm für die »satire outree« 6 ) Be 
gabung zugestand, ein Urteil, das sich jedenfalls auf die bur 
lesken Dichtungen »La Rome ridicule« und l’Albion bezieht, 
die freilich»- von B. namentlich nicht angeführt worden sind. 7 ) 
Das, was Saint-Amant’s burleske Dichtungen in den Augen 
B.’s so unleidlich machte, war, daß derselbe in seinen groben 
Späßen nicht Maß zu hallen wußte. Aber eingeräumt muß 
auch werden, daß B. an groben Späßen überhaupt keinen 
Gefallen fand. Zumal in einer Ode mußten Geschmacklosig 
keiten, wie sie B. hier erwähnt, ihm als gänzlich unangebracht
	        

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