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zu Anfang soviel Rühmens gemacht wordem war, von Publi
kum in ihrem Unwert schließlich doch erkannt wurde. (Art
poet. IV, S. 41—47.)
Dasselbe Gefühl wird an anderer Stelle noch deutlicher
zum Ausdruck gebracht. Sat. IX, V. 235—242.
»Mais lorsque Chapelain met une oeuvre en lumiere
Chaque lecteur d’abord lui devient un Liniere.
En vain il a repu l’encens de mille auteurs:
Son livre en paraissant dement tous ses flatteurs.
Ainsi, sons m’accuser, quand tout Paris le joue,
Qu’il s’en prenne ä ses vers que Phebus desavone;
Qu’il s’en prenne ä sa muse allemande en franqais,
Mais laissons Chapelain pour la derniere fois.«
Die Veröffentlichung der seit langer Zeit vom Publikum
sehnsüchtig erwarteten Pucelle 88 ) wurde verhängnisvoll für
Chapelein. 87 ) Sie bedeutete das Ende seines Dichterruhms. 88 )
§ 18. Es würde indeß ein Irrtum sein, anzunehmen,
daß mit obigen Versen das letzte Wort B.’s über Chapelain
ausgesprochen worden wäre. »II y reviendra encore malgre
tous ses serments«, bemerkt Fahre. 89 ) Sogar 20 Jahre nach
seinem Tode sollte Chapelain in seiner Grabesruhe durch
einen satirischen Angriff gestört worden. 80 ) B. konnte es
sich eben nicht versagen, die Pfeile spöttischer Kritik so oft
wie nur möglich auf sein unglückliches Opfer abzuschießen,
obwohl das damals ziemlich zwecklos war; denn einmal war
Chapelain um die Zeit sicher schon etwas in Vergessenheit
geraten, zum andern hatten sich die litterarischen Kreise
bereits ein festes Urteil über die dichterische Bedeutung
Chapelains gebildet.
Eine eingehendere Kritik der Pucelle wird in B.’s Parodie
auf die Heros de Romans gegeben. Hier läßt B. die Schatten
verschiedener Romanhelden und -heldinnen, die zu seiner
Zeit besonders bekannt waren, auftreten und an Pluto vor
übergehen, der sich mit allen, um sie kennen zu lernen, in
ein Gespräch einläßt. Unter ihnen befindet sich auch die
Jungfrau von Orleans, die dem Beherrscher der Schatten
Verse Chapelains vordeklamierte. Pluto entsetzt sich ob
des harten Stils derselben und fragt spöttischen Tones, ob es
bretonisch oder deutsch sei, was er zu hören bekomme. Noch

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