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es in diesem Falle lesen, um auch eine Schrift Desmaret’s:
»La Defense du Poeme heroi'que« antworten zu können. In
seinem Art. podtique finden sich verschiedene Urteile, die sich
sowohl auf Desmarets als epischen Dichter, sowie auf die
von denselbem aufgestellten Theorien über epische Dichtung
beziehen, Theorien, die Desmarets auch praktisch betätigte.
Auf seine Aussage hin, die letzten Gesänge des Clovis nach
Gottes Eingebung geschrieben zu haben, gab ihm B. im Art.
poet. (I, V. 159—163) eine sehr ernüchternde Antwort.
Nach B. ist besonders die Mythologie des klassischen
Altertums für Epen geeignet, das Hineinziehen christlicher
Wunder in die Handlung des Epos verwirft er dagegen. Auch
gegen diese Vorschrift halte Desmarets gesündigt. Brossette
berichtet uns wenigstens, daß folgende Verse B.’s sich auf
Desmarets beziehen sollen. Art poet. III, V. 193—200.
»C’est donc bien vainement que nos auteurs dequs,
Bannissant de leurs vers ces ornemens requs,
Pensent faire agir Dieu, ses saints et ses prophetes,
Comme ses dieux eclos du cerveau des poetes;
Mettent ä chaque pas le lecteur en enfer:
Noffrent rien qu’Astaroth, Belzebuth, Lucifer.
De la foi’dun chretien les mysteres terribles
D’ornements egayes ne sont point susceptibles.« 3a )
Es erregte aber den höchsten Zorn B.’s, daß Desmarets es
wagte, Virgil und Homer herabzusetzen und sich in dem
»Avis du Saint-Esprit au Roi« als einen zur Besserung des
Menschengeschlechts gesandten Reformator auszugeben. (Art
poet. III, V. 313—328.) Der Grund der hitzigen Tonart, die
B. gegenüber Demarets anschlug, mag auch darin liegen,
daß Desmarets ein Feind der Freunde B.’s im Port-Royal
war und gegen sie eine Schrift veröffentlicht hatte, die aller
dings zur Genugtuung B.’s keinen Absatz fand.
Noch in seinen späteren Lebensjahren blieb B. in seinem
Urteil über den »Clovis« unerbittlich. Er war sogar bereit,
seinem alten Gegner Perrault die Hand zur Versöhnung zu
reichen unter der Bedingung, daß dieser ihn nicht zwinge,
den »Clovis« oder die »Pucelle« Chapelain’s zu lesen und be-
quemte sich sogar zu dem Zugeständnis, Perrault nach seinem
Belieben die Ilias und Aeneide ohne Einspruch von seiner

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