Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

173 
nach dem ganzen Zusammenhang darf diese Bezeichnung wohl auf 
Corneille angewandt werden. 
8 ) Lettre ä Perrault (1700). — 4 ) Neuerdings ist indes von Bouquet 
nachgewiesen worden, daß Corneille sich keineswegs in so verarmter 
Lage befinden konnte. (Points obscurs de la vie de Corneille.) Die Angabe 
muß also wohl uiit Vorsicht aufgenommen werden. — Vgl. hierzu ferner 
Brünettere: Etudes crit., Bd. 6, S. 148. 
*) Vgl. z. B. Bornhak: Gesch. d. fr. Litteratur, § 41 und Suchier und 
Birch • Hirschfeld, S. 413. — Brünettere hat allerdings vernehmlichen 
Widerspruch gegen diese Benennung laut werden lassen. »II n’estpas »le pöre 
du ttteätre franqaise,« comme on disait jadis et comme on ne le dit plus 
aujourd’hui, mais comme tout de meme on le pense. Ni Robert Garnier, 
avec sa Cornelie, son Marc-Antoine ou ses Juives, ni Monchrötien ni le 
vieil Alexandre Hardy avec ses »600 pieces,« ni Mairet avec sa Sophonisbe, 
ne peuvent etre ainsi sacriftes ä Corneille, qu’ils ont tous preced6, qui 
leur a lui-meme ä tous ou presque tous emprunte quelque chose, et 
qu’en les döpassant, cependant, il imite encore.« (Rddm. 1888, S. 867 ) 
Brunettere’s Ausführungen im Einzelnen ist wohl recht zu geben, doch 
ist er nicht der Gestalt Corneille’s, die seine Vorgänger an dichterischem 
Können weit überragte, genügend gerecht geworden. Das Auftreten 
Corneille’s wird in der populären Auffassung stets einen Markstein in der 
Entwicklungsgeschichte des französischen Dramas bleiben. 
6 ) Vgl. § 14. Lukan war wohl nicht gerade das beste Vorbild. — 
Brossette bemerkt,' daß der Einfluß Lukans sich in besonders verhängnis 
voller Weise an der »Mort de Pompöe« bemerkbar mache. Vgl. § 114. 
7 ) B spricht hier von 8 oder 9 Dramen Corneille’s, die zu loben 
seien. Diese Zahl scheint mir doch etwas zu hoch gegriffen. Nur 5 oder 
6 können darauf berechtigten Anspruch erheben. 
«) vgl. Laharpe: Lycöe IV, S. 203 u. K. H. v. Stern, S. 222, 223. 
9 ) Brunetiere: Corneille, Rddm. 1888, t. 88, S. 868. 
10 ) Vgl. ibid., S. 850. — “) ibid. S. 864. — ") Preface de Sophonisbe. 
1S ) Brünettere: Pierre Corneille, Rddm. t. 88, 1888, S. 861. 
u) Dieses Fehlers hatte sich Corneille besonders im Agösilas und 
Attila schuldig gemacht. . . , , „ 
,6 ) Als »vertu« ist z. B. die Liebe der Xintene im Cid aufgefaßt 
worden. 
le ) Morillot: Boileau, La doctrine VI, S. 202. 
”) Vgl. Brünettere: Etüde crit., t. 6, S. 129. 
,8 ) Lanson tadelt ebenso wie B. die Auffassung Corneille’s. Corneille. 
Chap. VI. — Vgl. ferner Lotheissen Bd. II, S. 339. 
m Vgl. Nisard: Hist, de la Litt. fr. t. III, S. 27 und Laharpe: 
Lycee IV S 225 »11 demeure prouvö que Corneille, faute d avoir su 
traiter l’amour lorsqu'il en mettait partout, a fait des Iteros de romans 
de plusieurs de ses principaux personnages, gate presque tous ses sujets 
et refroidi meine ses meilleures pieces. Si ce defaut est sensible dans» 
les röles d’homn.es, il Pest encore bien plus dans les femmes, qui doiven
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.