Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

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B. geht also scheinbar sogar soweit, seine Angriffe in 
den Satiren zu bedauern, obgleich sich wohl sein Urteil über 
den Operndichter Quinault, aber nicht über den Verfasser 
der Tragödien geändert hatte. 
Die leidenschaftsloseste und beste Würdigung Quinault’s 
enthielt die nach dem Tode Quinault’s und nach der 10. Satire 
veröffentlichte 3. Reflexion sur Longin. »Je ne veux point 
ici offenser la memoire de M. Quinault, qui, malgre tous nos 
demeles poetiques, est mort mon ami. II avait, je l’avoue, 
beaucoup d’esprit, et un talent tout particulier pour faire des 
vers bons ä mettre en chant: mais ces vers n etaient pas 
d’une grande force, ni d’une grande elevation; et c’etait leur 
faiblesse meme qui les rendait d’autant plus propres pour 
le musicien, auquel ils doivent leur principale gloire, puis- 
qu’il n’y a en effet. de tous ses ouvrages que les operas qui 
soient recherches. Encore est-il bon que les notes de musique 
les accompagnenl.« 13a ) 
Und ibid. »Du reste, il est certain que M. Quinault etait 
un tres-honnete homme, et si modeste, que je suis persuade 
que, s’il etait encore en vie, ii ne serait guere moins choquö 
des louanges outrees que lui donne ici M. Perrault, que des 
traits qui sont contre lui dans mes satires.« 
§ 173. In einem Brief an Racine vom 19. August 1687 
bezeichnet B. Quinault als einen seiner besten Freunde und 
zu denen gehörig, von denen er sowohl Herz wie Verstand 
zu schätzen wisse. Wenig im Einklang mit diesen Lob 
preisungen Quinault’s steht eine Äußerung B. s, die uns zu 
Vers 222 des Art poet. I von Brossette überliefert wird: »II 
n’a voulu se raccommoder avec moi,« soll B. gesagt haben, 
»que pour me parier de ses vers, et il ne me parle jamais 
des miens.« Wahrscheinlich stammen diese Worte B. s noch aus 
den ersten Jahren ihrer Bekanntschaft, wo die freundschaft 
liche Gesinnung wenigstens von B. s Seite noch nicht so warm 
und fest war, wie sie es später geworden ist. Sonst müßte 
man glauben, daß die Versöhnung nur äußerlich und in 
Wahrheit von B.’s Seite wenig herzlich gemeint sei. In B. s 
gekränkter Eitelkeit würde dann der Grund dieser hier ge 
äußerten Gesinnung, den B. offen genug gewesen ist, durch- 
blicken zu lassen, zu suchen sein.
	        

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