Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

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la vieille maxime d’Honore d’Urfe: »L’amour rend tout per- 
mis«; chez lui, le devoir et tous Ies sentiments les plus 
puissants, dignite, reconnaissance, tendresse paternelle, piete 
filiale meme, s’effacent devant l’amour. devenu la plus belle 
des vertus.« Laharpe 10 ) meint, B. habe das Gefühl der Liebe 
überhaupt nicht gekannt und sei aus diesem Grunde zu so 
harten Urteilen gekommen. Zu dieser Erklärung braucht 
man indes wohl nicht seine Zuflucht zu nehmen; denn dieses 
Übermaß von Liebe, das die Quinault’schen Stücke ausströmen, 
mußte jedem gesund empfindenden Beurteiler abstoßend er 
scheinen. Es ist hingegen wohl anzunehmen, daß B. dadurch, 
weil ihm das Gefühl der Liebe fremd war, zu einem etwas 
parteiischen Richter werden konnte. 
§ 171. In der 10. Satire hat B. zwei Opern Quinault’s 
mit Namen genannt. Ibid. Vers 135 war schon von einem 
»insense Roland« die Rede. Indem die obige Fiktion fort 
geführt wird, heißt es V. 143—148 weiter: 
»Mais de quels mouvemens, dans son coeur excites, 
Sentira-t-elle alors tous ses sens agites! 
Je ne te reponds pas qu’au retour, moins timide, 
Digne ecoliöre enfin d'Angelique et d’Armide, u ) 
Elle n’aille ä l’instant, pleine de ces doux sons, 
Avec quelque Medor pratiquer ces le^ons.« 
Gegen dieses abweisende Urteil B.'s hat Laharpe 12 ) 
entschiedene Proteststellung genommen. »Les deux vers du 
critique,« sagt dieser, «ont ete trouves injustes, et avec raison, 
s’ils portent generalement sur le style d’Armide et d’Atys, et 
des autres bons Operas de Quinault, qui sürement sont autre 
chose que des lieux communs, sans parier de la morale 
lubrique.« 
§ 172. Wieviel B. von all dem in seinen Satires und 
Epitres über Qu. Gesagten wohl später, als sein Urteil über 
Quinault anders wurde, zurückgenommen haben würde, ist uns 
verborgen. Im Vorwort 13 ) zu der 4. Auflage seiner Werke hatte 
er bereits gesagt: »J’ajouterai meme, sur ce dernier, que dans 
le temps ou j’ecrivis contre lui, nous etions tous deux fort 
jeunes, et qu’il n’avait pas fait alors beaucoup d’ouvrages 
qui lui ont dans la suite acquis une juste reputation.«
	        

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