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Ausdruck gegeben. Erst durch das Erscheinen und Eingreifen
der Göttin Harmonie, also nicht aus eigenem Antrieb, werden
die beiden gegen eine Aussöhnung und ein Zusammenwirken
sich sträubenden Künste in Vollkommenheit vereint.
§ 167. Es ist wohl anzunehmen, daß das, was B. an
Operntexten vor Augen hatte, zumal diejenigen Quinault’s,
ihm Anlaß genug gab, pessimistische Ansichten zu hegen.
Die Oper war damals in Frankreich ja sozusagen erst in den
Kinderschuhen, sodaß B.’s Urteile begreiflich genug werden.
§ 168. Wie zu erwarten ist, beschränken sich B.’s
Urteile nur auf die Operntexte, eine Kritik der Musik mußte
er Berufeneren überlassen. Es muß indes bemerkt werden,
daß nicht Quinault, wie allgemein angenommen wird, der
erste Operndichter Frankreichs war. Die erste wirkliche
Oper schrieb Pierre Per rin. 6 ) B. hat diesen in seinen
poetischen Werken mehrfach angegriffen und unter die Vers-
macher eingereiht. (Sat. VII, V. 44, Sat. IX, V. 97 und
Epitre X, V. 36.) Faguet 7 ) will B.’s abfällige Urteile damit
erklären, daß er annimmt, B. habe Perrin wegen seiner
Operndichtung Pomone so gering geschätzt. Dies läßt sieb
aber in anbetracht der Aufführung Perrin’s unter die Gruppen
der Versmacher nicht mit Sicherheit erweisen. In gleicher
Weise sind Sat. IX, V. 294, Sat. X, V. 446 und Epitre VII,
V. 87 in dieser Hinsicht nicht aufschlußgebend. B.’s weg
werfende Bemerkungen können sich ebenso wohl auf Perrin’s
Versübersetzung der Äneide als auf seine Oper beziehen.
§ 169. Es bleibt uns also als hauptsächlicher von B.
verhältnismäßig eingehend und mit Namen genannter Opern
dichter eben nur Quinault. 7a ) Einige überlieferte Äußerungen
über Quinault und seine ungenannten Nachahmer zeigen
deutlich, welche Fehler B. in Quinault’s Dichtungen als die
ihm unangenehmsten empfand (Bolseana S. 479). »M. Des-
preaux me disait, en parlant de Philomele, 8 ) opera nouveau:
»Tous les faiseurs d’opera font le voeu de Quinault; Qu. est
leur modele: c’est le plus grand parleur d’amour qu’il y ait
eu, mais il n’est point amoureux. Je pardonnerais, disait-il,
toutes leurs devotions ä l’amour dans un sacrifice qu’on
serait force de faire ä ce dieu sur le theätre, mais la choeur

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