137
lieh günstiger, aber auch sie sind keineswegs uneingeschränk
ten Lobes voll.
§ 166. Bevor ich an ihre Betrachtung gehe, muß ich
zuvor über B.’s Stellung zur Oper überhaupt einige Worte
sagen. B. war kein Freund der Oper. Die Frage nach dem
Grunde dieser Tatsache hat uns zunächst zu beschäftigen.
B. ist keineswegs unmusikalisch gewesen. Sonst hätte er wohl
kaum bedauert, daß aus dem modernen Drama im Unterschied
vom antiken die Musik und der Gesang gänzlich verbannt 1 )
worden war.
Was B. aber am Herzen lag, war mehr die Dichtkunst
als die Musik, für die er im ganzen doch nur ein sekundäres
Interesse hatte. Nach seiner Überzeugung mußte die Dicht
kunst in Verbindung mit der Musik benachteiligt werden.
Fs pflegt nicht allgemein bekannt zu sein und es wird über»
raschen zu vernehmen, daß B. selbst zusammen mit Racine
an einem Operntext 2 ) gearbeitet hat. Aus dem Avertissement
au Lecteur, das außer dem Prolog von der Oper fertig ge
worden und noch erhalten ist, können wir uns eine Vorstellung
machen von der Anschauung, die B. über die Dichtkunst in
ihrem Verhältnis zur Musik hatte. 3 ) Wir lesen dort folgendes:
»Mine de Montespan et Mine de Thianges, sa sceur, lasses
des opera de M. Quinault, proposerent au roi d’en faire faire
un par M. Racine, qui s’engagea assez legerement ä leur
donner cette satisfaction, ne songeant pas dans ce moment-lä
ä une chose, dont il etait plusieurs fois convenu avec moi,
qu’on ne peut jamais faire un bon opera, parce que la musi-
que ne saurait narrer; que les passions n’y peuvent etre
peintes dans toute l’etendue qu’elles dcmandent; que d’ailleurs
eile ne saurait souvent mettre en chant les expressions vrai-
ment sublimes et courageuses.«
Einen guten Operntext verfassen zu wollen, schloß also
überhaupt nach B. einen Widerspruch in sich ein, weil die
Grundelemente der beiden Künste, der Musik und der Dich
tung dabei mit einander in Widerspruch gerieten und sich
gegenseitig im Ausdruck ihrer Vollendung 4 ) behinderten. Ähn
lichen Gedanken hat B. in seinem Prolog 5 ) zur Oper, einem
Zwiegespräch zwischen der personifizierten Musik und Dichtung

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.