Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

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tragiques sont manides si adroitement, que les spectateurs 
y rient ä gorge deployee depuis le commencement jusqu’ä 
la fin, tandis que moi j’y pleure toujours, ne pouvant obtenir 
que l’on m’y montre une reine dont je suis passionnement epris.« 
Daß diese Kritik besonders nichtssagend sein soll, wie 
Lotheissen 58 ) meint, kann ich nicht finden. Es ist klar, daß 
ß. hier die Ungeschichtlichkeit der Helden in den sogenannten 
historischen Dramen tadeln will. Nur ein ungebildetes und 
unwissendes Publikum konnte nach ß. an diesem Drama eine 
zeitlang Gefallen finden. Als eine Stimme aus einem derartig 
beschaffenen Auditorium gibt B. die Kritik des Gastgebers 
der »compagnards.« Sat. III, V. 193 — 199. 
Et puis, blämer Quinault! . . . Avez-vous vu l’Astrate? 
C’est lä ce qu’on appelle un ouvrage acheve. 
Surtout l’anneau royal me semble bien trouve. 5i) ) 
Son sujet est conduit d’une belle maniere; 
Et chaque acte, en sa piece, est une piece entiere. 
Je ne puis plus souffrir ce que les autres font. 
Zusammenhangslosigkeit der einzelnen Akte untereinander 
scheint nach ß. demnach ein weiterer Fehler dieses Dramas 
gewesen zu sein. 
§ 164. Es sei bemerkt, daß B. auch dann noch seine 
ungünstige Meinung von den Trauerspielen Quinault’s bei 
behielt, nachdem er im übrigen längst zu einer günstigeren 
Anschauung 60 ) von Quinault gekommen war. Mit Genugtuung 
stellte er im Jahre 1693 fest, daß man die Dramen Quinault’s 
vergessen hätte. Reflex. III sur Longin. »Car, ponr les autres 
pieces de theätre, qu’il a faites en fort grand nombre, il y 
a longtemps qu’on ne les joue plus, et on ne se souvient 
pas meme qu’elles aient ete faites.« 
Kapitel XIV. 
Boileau’s Urteile über die Operndichter. 
§ 165. Der einzige Vertreter der Oper, der mit Sicher 
heit in den Bereich meiner Abhandlung einzubeziehen ist, 
ist derselbe Quinault, dessen Trauerspiele B. so wenig ge 
fielen, B.’s Urteile über die Opern Quinault’s sind zwar wesent-
	        

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