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dererseits aber zeigte er sich als eins »des plus notables ex-
emples de ce que peuvent le travail, la perseverance et le
talent naturel, denuees meine du secours de ces etudes pre-
liminaires qui semblent indispensables ä tout ecrivain.« 45 )
§ 159. Quinault 47 ) ist heute mehr bekannt einerseits
durch die Sarkasmen B.’s und andererseits durch die mit hitzi
gem Eifer geführte Verteidigung von seiten Voltaire’s 48 ) als durch
seine eignen Werke. Beide, B. und Voltaire, haben sich in ihren
Beurteilungen zu starken Übertreibungen hinreißen lassen. 4i) )
Wie so oft liegt wohl die Wahrheit in der Mitte der extremen
Anschauungen. eo ) Es ist B. als mildernder Umstand anzurechnen,
daß, als er Quinault in seinen Satiren angriff, dieser nur mit
schlechten Tragödien an die Öffentlichkeit getreten war. Die
Werke der späteren Zeit Quinault’s, seine Lustspiele und be
sonders die Opern beeinflußten B.’s Urteil nicht unerheblich zu
Gunsten Quinault’s und veranlaßten ihn wohl zu einer Nach
prüfung des früher von ihm Gesagten. »II se contenta,« sagt
Geruzez, 50 ) »de menager l’homme qui etait digne d’estime, et
dont les ceuvres charmaient la cour.« Wir haben also bei unsern
Ausführungen zwischen den Urteilen über die Tragödien und
denen über die späteren Werke — in unserm Falle kommen
fast nur Opern in Betracht — scharf zu scheiden.
§ 160. B.’s erste Angriffe auf Quinault in den Satiren
unterscheiden ihn in B.’s Vorstellung kaum von gewöhnlichen
Versmachern, nur daß er den ironischen Sarkasmen gegen
Quinault ein wenig mehr Raum als den Rügen über die ein
zelnen Versmacher eingeräumt hat. Sat. II, 19—20 heißt es
ironisch in bezug auf Quinault.
»Si je pense exprimer un auteur sans defaut.
La raison dit Virgile, et la rime Quinault.«
Dieselben Verse wiederholt B. in der 3. Sat., indem er sie
dem auf litterariscbem Gebiet gänzlich unwissenden Gastgeber
der »campagnards« in den Mund legt, der sie in vollem
Ernste zitiert, um Quinault zu loben. Den Namen eines Ver
fassers zu verwenden, nur um einen Reim durchzuführen,
drückte fraglos einen hohen Grad von Geringschätzung aus.
Sainte-Beu ve 51 ) meint zwar zur Entschuldigung dieses Verfahrens,
das B. auch andern 52 ) gegenüber ausiibte: »B. fait semblant
d’etre si fort dans l’embarras que pour demander maligne

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