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In der XI. Reflex, sur Longin besprach B. eine Kritik
de la Motte’s, der in seinem Traite sur l’Ode die Härte eines
Verses der Phödre 39 ) getadelt hatte. Auf die sehr ausführ
lichen Entgegnungen B.’s näher einzugehen, dürfte zu weit
führen. Es sei nur bemerkt, daß B. erklärte, er könne in
dem Vers keinen Ausdruck finden, der »fort commun et fort
usite« sei.
§ 140. Erst mit der »Esther« trat Racine, wenn auch an
fangs in beschränkter 40 ) Weise, wieder an die Öffentlichkeit.
B. lobte an ihr mehr die lyrischen als die eigentlich drama
tischen Bestandteile. Die erhabene Einfachheit der Psalmen
wiederzugeben, sei, sagte er (Bolseana S. 476), den größten
Meistern nicht gelungen. 41 ) Nur Racine habe dennoch, wenn
freilich auch nur mit großer Mühe, diese Schwierigkeiten über
wunden. B. citiert alsdann einige Verse aus den Chorliedern
der Esther, die ihm besonders gefallen hatten. So die Wieder
gabe einer Stelle des Psalmisten
»Transivi, et ecce non erat.«
Bei Racine: »Je n’ai fait que passer, il n’etait döjä plus.«
In der 4. Reflexion sur Longin pries B. einige andere
Verse aus den Chorliedern, die Racine fast ganz auf Worte
und Verse im alten Testament begründete.
M. Racine est fort bien entre dans la pensee du Psal-
miste par ces deux vers de son Esther, qui ont du rapport
au vers d’Homere:
Pareil au cedre, il cachait dans les cieux
Son front audacieux. 42 )
Den Beifall, den die harmonischen Verse der Chorlieder,
sowohl der Esther wie der Athalie fanden, erklären wohl das
Bedauern B.’s über das Verschwinden derselben, da das Chor
lied bis dahin aus dem Drama des 17. Jahrhunderts verbannt
gewesen war. Brossette berichtet uns dazu folgende Äußerung
B.’s: »Esther et Athalie ont montrö combien on a perdu en
supprimanl les chceurs et la musique.«
§ 141. Noch höher als die Esther scheint B. die Athalie
Racine’s geschätzt zu haben. Sie war nach seiner Meinung
Racine’s bestes Werk. Lettre XX ä Racine. »J’ai etö appele
dans la chambre de Mme de Maintenon pour voir jouer de-
vant le roi, par les actrices de Saint-Cyr, votre piece d’Athalie.

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