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§ 131. An Urteilen B.’s über den Alexandre ist hinzu
zufügen, daß das Charakterbild, das in der 2. Scene des
2. Akts gegeben wird, besonders B.’s Beifall gefunden hat.
Louis Racine 18 ) berichtet folgende Äußerung B.’s darüber:
»11 est de la main d’un poete höroique, et celui que j’en ai
fait, est de la main d’un poete satirique.«
Über die Andromaque hat B. sich indes in nicht mißzu-
verstehender Weise geäußert. Schon im vorigen Kapitel wurde
eine Stelle aus der X. Epitre zitiert, in der B. den Versen
des Cinna und der Andromaque Unsterblichkeit verhieß, sodaß
es überflüssig ist, darauf zurückzukommen. (Vgl. § 111.)
Eine Stelle in der Andromaque (Acte IV, Scene V) hat
B. wegen einer »licence de construction« merkwürdigerweise
nicht getadelt, sondern aus diesem Grunde geradezu gelobt.
(Lettre du 2 aoüt 1703 ä Brossette.)
Dies Urteil aus dem Munde B.’s muß überraschen. Man
ist geneigt, zu erwarten, daß B., der für seine Person sorg
fältig jede syntaktische Licenz vermied, gerade gegen solche
Fehler unerbittlich ist..
Mit der Zeichnung des Pyrrhus war B. gar nicht ein
verstanden, während er die der Hermione und des Orest lobte
Bolseana (468) »II n’etait point du tout satisfait du person
nage que fait Pyrrhus dans l’Andromaque, qu’il traitait de
heros ä la Scudery, au lieu qu’Oreste et Hermione sont de
veritables caracteres tragiques.« Daß B. 'Orest als einen
wahrhaft tragischen Charakter bewunderte, ist merkwürdig.
Dieser Orest, der unstät in der Welt herumirrt, weil Hermione
seine Liebe nicht erwidert, hat doch zuviel Ähnlichkeit mit
dem Cyrus der Mlle Scudery, der Asien erobern wollte um
seiner geliebten Mandane willen. 19 )
Im 2. Akt tadelte B. eine Scene, 20 ) die sich nach seiner
Meinung zu sehr dem Lustspielcharakter näherte, (ibid) »II
frondait encore contre cette scene, oü M. Racine fait dire par
Pyrrhus ä son confident
»Crois-tu, si je l’epouse,
Qu’Andromaque en son coeur n’en sera pas jalouse?«
Sentiment pueril etc.« Louis Racine fügt in seinem »Remar
ques sur les Tragedies« 21 ) hinzu, B. habe die Bemerkung
gemacht, daß man bei diesen Versen lächeln müsse, »efl'et

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