Full text: Die Urteile Boileaus über die Dichter seiner Zeit

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in bezug auf den häufig ungeschichtlichen Charakter der 
Helden 10 ) und der gleichmäßig schablonenhaften Zeichnung 
der Figuren. Die Helden und Heldinnen Corneille’s, sagt 
Brunetiere, u ) »se resscmblent tous, et ils ne nous ressemblent 
pas. Oui, Grecs et Romains, Byzantins et Lombards, Gepides 
et Visigoths, Syriens et Espagnols, don Diegue et le vieil 
Horace, Cleopätre et Attila, Rodogune et Emilie, tous, ils 
parlent tous, ils agissent tous de la meme maniere.« 
§ 106. Eine Eigentümlichkeit der Dramen Corneille’s, 
die in denselben zuweilen zu einem Grundfehler der Kompo 
sition wurde, hat B. dagegen richtig erkannt. Es war dies 
die Art und Weise, wie Corneille das Gefühl der Liebe in 
seinen Dramen zum Ausdruck brachte und auf die Lösung 
der tragischen Verwicklung Einfluß gewinnen ließ. C. lehrte, 12 ) 
daß die Liebe nur die 2. Stelle in einer Tragödie einnehmen 
dürfe und richtete heftige Angriffe gegen die schmachtenden 
Dichter seiner Zeit, denen die Liebe als einziges Motiv der 
dramatischen Handlungen diente. Indessen standen Corneille’s 
Theorien mit seiner dramatischen Praxis häufig in Wider 
spruch. Zuweilen wird hier die Liebe wie z. B. im Cid als 
eine Tugend geschildert. »Disons donc, pour etre vrai, be 
merkt hierzu Brunetiere, 13 ) qu’il y a autant d’amour dans 
les tragedies de Corneille, ou du moins autant d’intention 
d’y en mettre, que dans les tragedies de ces »doucereux« 
dont il se moquait, mais cependant dont il ötait lui-meme.« 
B.’s Anschauung von der dramatischen Verwendbarkeit 
dieses Gefühls deckte sich nicht mit der Corneille’s, falls man, 
wie man zu tun berechtigt ist, folgende Stellen aus dem Art 
poet. auf Corneille beziehen darf. Art poet. III, V. 97—98. 
»Peignez donc, j’y consens, les heros arnoureux; 
Mais ne m’en formez pas des bergers doucereux.« 14 ) 
V. 101—102. 
»Et que l’amour, souvent de retnords combattu, 
Paxaisse une faiblesse, et non une vertu.« 1R ) 
Diese Verse veranlaßten Morillot 16 ) zu folgenden Bemer 
kungen: »Dans ces vers, B. sembie viser clairement le theätre 
de Corneille et reprocher au grand poöte d’avoir presente 
trop souvent l’amour comme une vertu en l’identifiant aux 
plus nobles passions, p. e. au sentiment de l’honneur et du
	        

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