Full text: Zur Frage des myxödematösen Irreseins

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})as Myxödem hat, seit Gull im Jahre 1873 die ersten Fälle vor 
der Clinical Society in London demonstrierte, das Interesse der Arzte in 
hohem Grade wachgehalten. Besonders Gulls Landsleute haben von 
jeher dieser Krankheit die größte Beachtung geschenkt. Schon die An 
zahl der von englischen Ärzten veröffentlichten Fälle übertrifft bei weitem 
die aller übrigen Länder zusammen. Buschan 1 behauptet in seiner 1896 
erschienenen Monographie, daß damals bereits über 100 Fälle von Myxödem 
in England beschrieben waren, während sich die Zahl der in Deutsch 
land und Österreich bis dahin veröffentlichten Fälle auf kaum 20 belief. 
Zu diesen würden dann in dem bis heute verflossenen Zeitraum etwa 
weitere 20 hinzukommen. In Deutschland wurde der erste Fall von 
Myxödem überhaupt erst Ende der 80 er Jahre gesehen. 
Nun soll nach Buschan s Ansicht das Myxödem nicht etwa in Eng 
land epidemisch sein oder überhaupt nur dort häufiger auftreten als bei 
uns, sondern diese ungleiche örtliche Verteilung bezüglich der Häufigkeit 
eher durch das mehr oder minder große Interesse bedingt sein, das die 
Ärzte der betreffenden Länder dem Myxödem entgegengebracht haben 
(S. 99). Aus diesem stärkeren Interesse mag es sich wohl auch erklären, 
daß die englischen Autoren zuerst intensiver ihr Augenmerk auf die bei 
Myxödem wohl stets auftretenden psychischen Veränderungen richteten. 
Nach einer Statistik der Myxödemkommission der Clinical Society in 
London aus dem Jahre 1887 wurden psychische Störungen bei Myxödem 
fast ausnahmslos, manifeste Psychosen in etwa der Hälfte aller Fälle an 
getroffen. Die Richtigkeit dieser Berechnung wird auch heute noch an 
erkannt. 
1 Über Myxödem und verwandte Zustände. Leipzig 1896.
	        

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