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zeitiger Eingabe von Thyreoidin nur mit Milch und Gemüsen ernährt, leider
ohne besonderen Erfolg, jedenfalls war die Besserung nicht größer als bei
Thyreoidinmedikation allein. Blum geht von der Hypothese aus, daß die
giftigen Stoffwechselprodukte, eben die, welche von der gesunden Schilddrüse
unschädlich gemacht werden, im Darm gebildet werden. Er nennt sie des
halb Enterotoxine. Diese Darmgifte sollen in größerer Menge bei Fleisch-
als bei Pflanzenfressern entstehen, was er daraus schließen will, daß seine
thyreoidektomierten, nur mit Fleisch genährten Hunde der Kachexie viel
eher erlagen, als die mit Milch-Pflanzenkost ernährten. Vor ihm konnten
auchLANz (zit. bei Ewald in Nothnagels Handbuch), ferner Benisowitsch,
Bbeisachek, Qüeevain und Rosenblatt (zit. bei Buschan) den ungünstigen
Einfluß der Fleischkost bei ihren operierten Hunden konstatieren, während
nach früheren Beobachtungen thyreoidektomierte Herbivoren die Opera
tion leidlich gut überstehen sollten. Neuerdings hat aber man nachgewiesen
(Edmunds, Hofmeistek) daß die zu den betreffenden Versuchen benutzten
Herbivoren arten außer der Schilddrüse noch über leistungsfähige Neben
schilddrüsen verfügen, die sie vor dem Tode durch Selbstvergiftung schützen.
Ganz geklärt scheint dies Gebiet noch nicht zu sein.
Wie soll man sich nun aber die zweifellos richtigen Beobachtungen Blums
und der anderen erwähnten Autoren und auf der andern Seite den Mißerfolg
der Milch-Pflanzendiät bei meiner Patientin erklären? Ich glaube es ließe
sich eine Erklärung hierfür in der Annahme finden, daß in der Milch, in
die doch häufig auch andere Toxine und Antitoxine sowie medikamentöse
Substanzen übergehen, Sekret der Glandula thyreoidea enthalten ist. Es ist
dies sehr wahrscheinlich, weil letztere bekanntlich keinen eigenen Aus
führungsgang besitzt, sondern ihr Produkt direkt in die Blut- und Lymph-
bahn ergießt. Ist das richtig, so hätten die betreffenden Forscher ihren
Tieren mit der gefütterten Milch bestimmte Mengen von Schilddrüsensaft
künstlich beigebracht und sie dadurch vor dem Tode an Kachexia strumi-
priva bewahrt. Eine Stütze für diese Vermutung ließe sich vielleicht in
der oft gemachten Beobachtung finden, daß in Ländern, in denen der Kre
tinismus, gewissermaßen das angeborene oder wenigstens jugendliche Myx
ödem, heimisch ist, die Kinder, solange sie an der Mutterbrust liegen,
nicht von der Krankheit befallen werden. Bei meiner Patientin nun konnte
die Milchkost nichts nützen, weil eben Thyreoidin überhaupt nicht mehr
in genügender Weise wirkte.
Es erübrigt sich noch, aus der Literatur diejenigen Fälle zusammen
zustellen, in denen, wie bei meinem, die Substitutionstherapie bei Myx
ödem nur den körperlichen, nicht jedoch den psychischen Symptomen
gegenüber wirksam war. Dieses sind bei der großen Menge der Veröffent-
1 S. Buschans Monographie.

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