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Auf Schlafmittel hin habe er bis zum 5. II. 9 Uhr vormittags
geschlafen. Auf dem Transporte sei er klar, ruhig, aber in
gedrückter Stimmung gewesen.
Pat. geht ruhig auf seine Abteilung, schläft sofort ein,
schläft mehrere Stunden hindurch und gibt dann auf Befragen
folgendes an:
Sei an einem Dienstage in ein Krankenhaus zur Be
handlung gebracht worden. Kurz vorher habe er an Kaisers
Geburtstage an einem Essen teilgenommen. Könne das Trinken
nicht vertragen, fühle sich danach immer- wie zerschlagen,
besonders wenn er wie diesmal längere Zeit nicht getrunken
habe. Am Tage nach Kaisers Geburtstag sei er unwohl ge
wesen, am übernächsten Tage habe er Halsschmerzen gehabt.
Im Kranhenhause sei er sehr aufgeregt gewesen. Wenn er
abends die Augen schloß, erschienen ihm Bilder wie Gemälde;
es war ihm, als ob er im Ballsaale wäre, sah alles ganz
lebhaft, hörte leise Musik und Stimmengewirr. Dann war es
ihm, als sei der Krieg mit England erklärt, das Krankenhaus
würde für die Truppen beschlagnahmt; er hörte, wie ein
General sich mit dem Besitzer zankte, sah Leute in sein
Zimmer kommen. Richtete er sich auf, so waren alle Er
scheinungen fort, legte er sich wieder nieder, so sah er aber
mals Offiziere, Soldaten, hörte Trommelwirbel, Sprechen, wußte
dann nicht mehr, wo er war. Er sei sehr ängstlich gewesen,
glaubte, er sei zum Tode verurteilt, solle erschossen werden, weil
eine Arbeiterverbindung ihn verdächtigt habe. Er wurde gefangen
genommen, vors Tribunal geschleppt. Vorher sei er in einem
kaufmännischen Vereine wegen unordentlichen Anzuges blamiert
worden. Man habe ein Gedicht auf ihn gemacht, worin ihm
alles vorgehalten wurde. Er wollte sich verteidigen, aber
nichts wurzle ihm geglaubt. Sodann rief man ein paar Arbeiter
herein, welche erklärten: „Das ist der, welcher uns verraten
hat!“ Draußen standen Arbeiter mit Gewehren und hatten
auf ihn angelegt. Er rief: „Mein Blut komme über euch!“
Darauf sagte der Vorsitzende: „Halt! wir wollen euch Lösegeld
bezahlen, wenn ihr ihn frei laßt.“ Es wurden 1200 Jt. für
ihn bezahlt, und so kam er frei. Darauf kam er doch noch
vor das Arbeitergericht und wurde verurteilt, in 30 Jahren
erschossen zu werden. Bis zu einem bestimmten Termine

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