Full text: Beitrag zur Lehre von den Psychosen nach akuten Infektionskrankheiten

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Gestalten von Tieren, Menschen, Köpfen, Teufeln. Selten ge 
hören unangenehme Geruchs- und Geschmacksempfindungen 
in diesen Symptomenkomplex. 
Zum Unterschiede von den Erwachsenen haben bei 
Kindern die Sinnestäuschungen einen angenehmen Inhalt: 
liebliche Musik, geflügelte Engelsgestalten, spielende Kinder, 
mit denen sie sich necken, schöne Landschaften, Blumengärten. 
Da der Inhalt der Täuschungen meist beunruhigender 
Natur ist, so sind die Kranken voll Angst und Unruhe: mit 
glänzenden, weit geöffneten Augen starren sie fest in eine 
Ecke, lauschen zusehends auf die Stimmen; das Gesicht ist 
gerötet, leise bewegen sich die Lippen, mitunter schreien sie 
plötzlich auf, fahren wie im Schrecken empor, springen aus 
dem Bette, wollen aus dem Fenster entkommen, greifen die 
Umstehenden an, verletzen diese oder sich selbst. Der Kranke 
zittert heftig und schwitzt stark. Diesem angstvoll motorischen 
Stadium pflegt sich wohl ein ruhigeres anzuschließen: Pat. 
macht nur geringe, auf der Bettdecke suchende Bewegungen 
mit den Händen, antwortet nicht, stöhnt oft auf. Mit einem 
Male geht ein Schütteln durch den ganzen Körper, derselbe 
wirft sich heftig umher, liegt dann wieder ruhig, fährt wieder 
erschreckt empor. Die Worte werden hastig, abgerissen her 
vorgestoßen, mitunter erfolgt ein anhaltendes Schreien oder 
auch ein Singen in pathetischem Tone. Ist wie bei Kindern 
der Inhalt der Halluzinationen anmutig, so kommt es wohl 
zu einem vergnüglichen Lachen und Singen heiterer Lieder. 
Was nun die in der Entfieberungs- oder fieberlosen Periode 
entstehenden Psychosen, die Deferveszenz-, Kollaps- und Ina- 
nitionsdelirien angeht, so sind ihre Hauptsymptome: traumhafte 
Verwirrtheit, zahlreiche unzusammenhängende Halluzinationen 
und Illusionen, Wahnideen, lebhafter Bewegungsdrang. Die 
Kranken sind sehr ängstlich, klagen sich selbst an, haben die 
quälende Vorstellung, als ob sie Verbrecher seien, sie sind 
sehr erregt und voll Bewegungsdrang oder verfallen frühzeitig 
in einen stuporösen Zustand. Letzterer wechselt auch oft mit 
großer motorischer Unruhe ab. Die halluzinatorischen Wahn 
vorstellungen handeln von Verfolgung, Toten, Engeln; die 
Kranken glauben Gift zu erhalten, wähnen sich in der Hölle, 
in Flammen, in einem Schlosse, sprechen mit dem Kaiser oder
	        

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