Title:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Persons:
Straus, Heinrich Wikipedia
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nahmen bestimmte cri tische Tage an; sie wurden von
der Natur selbst darauf geleitet. Sie gestanden zwar,
dafs sich an jedem Tage der Krankheit Crisen zeigen
können, dafs aber meistentheils an den ungleichen
Tagen, wie am dritten, siebenten, vierzehnten und
einundzwanzigsten Tage, dieselben, und zwar die ent-
scheidenden entständen. Manche Gegner dieser Lehre
geben zu, dafs zu Hippocrates und Galen's Zeiten,
die Crisen an bestimmten Tagen defshalb eingetreten
wären, weil diese Aerzte, wenige, und wenig kräftige
Arzneien angewandt hätten, läugnen aber dieses, wegen
des entgegengesetzten Verlahrens der Neuern. Wäre
diese Meinung der Gegner dieser Lehre gegründet,
so müfsten zu unserer Zeit die Anhänger des hahnema-
nischen Systems, diese Lehre in ihrem ganzen Umfang
wieder bestätigt, und ihr das Siegel der Wahrheit
aufgedrückt haben, was bis jetzt, wie es scheint,
noch nicht geschehen ist. Uebrigens verfuhren die
Alten durchaus nicht hahnemannisch, sondern sie
wandten eines Theils häufig sehr heftig wirkende
Medicamente in grofsen Dosen an, und setzten an-
dern Theils ihre Kranke auf eine sehr strenge Diät,
welches der Wirkung starker Arzneimittel in dieser
Rücksicht gleich kömmt. Die Krankheit, eine niedrige
Lebensform im Menschen darstellend, mufs wie das
normale Leben selbst, einen bestimmten Verlauf, mufs
wie dieses eine Evolution, Acme und Involution zu einer
bestimmten Zeit haben. Hier wie dort, haben äufsere
Momente nur wenig Einflufs auf diesen Verlauf. Eben
so verhält es sich mit den Entscheidungen der Krank-
heiten an bestimmten Tagen; besonders ist diefs bei
den acuten, höher stehenden Krankheitsformen der
Fall. Tertian - Fieber entscheiden sich nach dem sie-
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