Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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durch den Meridian, daher sie an den Küsten meist mit
der Fluth erscheinen. Todesfälle kommen aber selten
um diese Zeit vor; diese fallen meist in die Zeit der
Ebbe. Dieser Meinung war schon Aristoteles, und
Piso in Brasilien bestätigt sie. Am deutlichsten zeigt
der Mond auf die Rückfälle der intermittirenden Fieber
seinen Einflufs. Jackson bemerkt, dafs unter 30, 24
und unter 26, 24 zur Zeit der Syzygien Rückfälle des
Fiebers bekommen. In Bengalen ist dieser Einflufs den
Einwohnern so bekannt, dafs sie die Rückfälle nach
dem Kalender berechnen, und China vor dem Eintritt
desselben nehmen. Mead*) führt Fälle an, die auch
den Einflufs der Sonne und des Mondes auf Krank-
heiten in England beweisen. Kirkland beweist den
Einflufs des Mondstandes auf Eintritt der Wehen,
durch viele Beispiele. Schon die Alten erkannten diesen
Einflufs, und die römischen Frauen verehrten daher die
Lucina, und riefen sie beim Gebären um Hülfe an.
Auffallend ist der Mondeinflufs zur Zeit der Mond-und
Sonnenfinsternisse, welche zur Zeit des Neu-und Voll-
mondes fallen ; Lind führt von Bengalen viele Beweise
dafür an. Acht Matrosen, die von einem intermittiren-
den Fieber genesen waren, bekamen zu Calcutta zurZeit
einer Mondfinsternifs heftige Paroxysmen. Rammazinì
versichert, dafs während einer Mondfinsternifs in Mo-
dena, ungewöhnlich viele Kranke um dieselbe Stunde
starben; selbst Gesunde starben plötzlich. Rowley
berichtet, dafs Baco bei einer jeden Mondfinsternifs
ohnmächtig wurde.
*) S. Mead de imperio solis ac lunae in corp. Human.
**) S. dessen Untersuchungen über den jetzigen Stand der medie.
Chirurgie. Leipz. 1781.