Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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hatten alle am Morgen ihre Paroxismen *). Zu den
Tag- und Nachtkrankheiten gehören noch die merk-
würdigen Fälle von Nyctalopie und Hemeralopie; bei
Letzterer verlieren die Kranken die Fähigkeit zu sehen,
schon eine halbe Stunde nach Sonnenuntergang, und
erhalten sie eine Stunde vor Sonnenaufgang wieder.
Andere erblinden im Momente des Sonnenuntergangs,
sie sehen selbst bei hellster Beleuchtung nichts, und
sehen in den dunkelsten Orten ganz gut am Tage 00).
Paul y. Aegineta, Galen, Plinius, Celsus sahen
dergleichen Fälle. Rost sah diese Krankheit als Epide-
mie; man findet sie selbst endemisch. Fälle yon
Nyctalopie, wo Menschen blofs Nachts sahen, findet
man yon Hippocrates, Boerhave, Hoffmann, Heister,
Rost und Andern angeführt.
Die Paroxismen der Neurosen, mögen nach ihrem
Sitze in den verschiedenen Cavitäten des Körpers,
auch zu verschiedenen Jahreszeiten fallen. Die Kopf-
neurosen, werden Morgens, die Bauchneurosen Nachts,
die Brustneurosen Nachmittags, ihre Paroxismen haben.
Die Epilepsie, welche in der Nacht eintritt, hat defs-
halb nach meinen Dafürhalten meistenteils ihren
Sitz in den Bauchganglien, und ist folglich leichter zu
heilen, als die Epilepsie, die am Tage ihre Anfälle hat,
deren Sitz gröfstentheils im Gehirn ist, leicht Desor-
ganisation daselbst hervorbringt, daher schwer zu
heilen und leicht tödlich ist. Nasse hatte in West-
phalen einen jungen Mann an Epilepsie zu behandlen,
der seinen Anfall im Dunkeln bekam; so lange bei
dem Schlafenden Licht brannte, bekam er keinen Anfall,
*) S. Medi cus Ceschichte Periode haltender Krankheiten.
**) S Schnurr er a. a. O. Medi cus a. a. O.