Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
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Leiten des Morgens oder Mittags ; und ich glaube dafs
dieses ein Hauptcriterium zur Diagnose der Nerven-
krankheiten abgiebt. Der halbseitige Kopfschmerz ist
oft an die Morgenstunden gebunden, und verschwindet
bei Sonnenuntergang; am übelsten befinden sich solche
Kranke mitten am Tage; oft sterben sie um diese Zeit,
oder die Krankheit nimmt eine schlimmere Wendung.
Kranke die an Manie, Phrenesie, Hydrophobie leiden >
werden beim Anblick des Lichts wiithender, und haben
Morgens ihre Paroxismen *). Sau vages erzählt die Ge-
schichte einer Hysterischen, welche maniatisch wurde,
wenn die Sonne im Zenith war. Noch mehrere Beispiele
solcher Maniatischen sind in den Ephem. nat. curios,
dec. 3. obs. 32 enthalten. Menschen die vom Sonnen-
stich getroiTen sind, verspüren mitten am Tage die
Wirkung stärker, selbst im Schatten. Sauvages fuhrt
ein Beispiel von einer Frau an, die 50 Jahre, so lange
die Sonne überm Horizont stand, in comatosem Zustand
war. A. Humbold erzählt dafs die Gräfin K. von Madrid
die Stimme bei Sonnenuntergang verlor, die beim
Sonnenaufgang wieder erschien**). Nasse***) kennt eine
Frau, die an heifsen Sommertagen oft an Kopfschmerzen
leidet; so wie die Sonne unter den Horizont tritt, ver-
schwinden dieselben. Die periodisch wiederkehrenden
Kopfschmerzen, die von Langeolotti, Lanzoni, Welsch,
Tulpius, Waldschmipt, Schenk, Senac, Stoerk,
und noch vielen anderen Schriftstellern angeführt sind,
*) S. Pinci. Nosograph. T. II. p. 3 ob. ed.
**) S. Humbold. Ueber Reizbarkeit der Muskeln- und Nerven-
fasern. T. II. p. i85.
***) S. S. Meckel« Archiv 2ter TUeil ltes Heft über Epilepsie
im dunkeln v. Nasse.