Titel:
Über den Rhythmus in den Lebenserscheinungen
Beteiligte Personen:
Straus, Heinrich Wikipedia
35
ein hohes Alter *). Todesfälle sind in der Nacht, be-
sonders um Mitternacht häufiger als am Tage. Testa00)
will dies dem Mangel an Licht und electrischer Materie
zuschreiben.
Der Uebergang vom Mittag zum Abend, 3 Uhr
Nachmittags, scheint für den Menschen besonders be-
deutungsvoll zu seyn; viele Todesfälle und Geburten
treffen während dieser Zeit ein. Einen sehr hohen Werth
erhält für uns die genaue Betrachtung dieses täglichen
Rhythmus, nicht allein zur Erklärung der Exacerbationen
der verchiedenen Krankheitsklassen, sondern auch zur
richtigen Bestimmung der Diagnose. Diesen praktischen
Nutzen hat man schon längst erkannt, und wenn die
Schriftsteller von einem täglichen Rhythmus sprechen,
so bezieht sich dieser blofs auf Krankheit, ohne den
Schlüssel dazu im normalen täglichen Rhythmus auf-
zusuchen, der doch mit dem anomalen im genauesten
Zusammenhange steht, und dieselbe Erklärungsweise
zuläfst. Auf eine einfache Weise lassen sich die Ex-
acerbationen in verschiedenen Krankheitsklassen nur
dann erklären, wenn wir das Leben der leidenden Or-
gane und Systeme in den verschiedenen Tageszeiten,
mit dem Standpunkt vergleichen, auf welchem sie bei
völliger Integrität des Organismus zu stehen pflegen.
Es ist eine constante Erscheinung, dafs alle acute
Krankheiten, die unter der Form des remittirenden
Fiebers auftreten, ihre Exacerbationen am Abend
machen. Da hier die Reaction des Organismus kräftig
ist, so wird am Morgen, wo, wie wir gezeigt, die
Lebenskraft gesteigert ist, das Individuum durch seine
*) S, C. W. Stark a. a. O.
**) S. Testa über periodische Veränderung in Krankheiten.